Selten so gelacht (oder geweint?) – Wein in Beef!

31. Oktober 2009

Von Eckhard Supp – Mit Spannung war Beef!, das neue kulinarische Männermagazin aus dem Hause Gruner & Jahr erwartet worden, und so konnte ich – trotz der zahlreichen Kritiken oder gar Verrisse im Internet (z. B. hier („Zielgruppe verfehlt“) oder hier („wollen mir etwas verkaufen, was gleichzeitig Gegenstand journalistischer Berichterstattung war) oder hier („das altbacken daherkommende Magazin für kochende Machos“) oder hier („an die Arschgeigen unter uns Männern“), und das Alles noch einmal zusammengefasst hier – der Versuchung nicht widerstehen, mir eines der neuen Hefte zu kaufen. Um es gleich vorweg zu nehmen, es wurde ein Einkauf, den ich schon nach kurzer Zeit bereute.

Nachdem ich Beef! bei gleich zwei Zeitschriftenhändlern vergeblich unter den Kochzeitschriften gesucht hatte, wies mich eine freundliche ältere Dame darauf hin, dass das Magazin nicht dort, sondern bei den Männermagazinen zu finden sei, was ich dann schon ausgesprochen merkwürdig fand. So, als gehörten Kochzeitschriften per Definition zum „Frauenbereich“, während Männer, wenn sie schon kochen, mit dem Weiberkram nichts zu tun haben wollten. Diese Grundhaltung wird dann auch im Heft ausgiebig zelebriert. Da findet man Tipps zur Gründung eines Männerkochclubs – natürlich unter Ausschluss der Frauen – und die Tipps zur Herstellung von Mozzarella (aus Kuhmilch, igitt!) sind doppelbödig mit „New balls, please“ überschrieben. Den Rest des Beitrags lesen »


Luxus und Kult – Widersprüchliches aus dem Hause Penfolds

30. Oktober 2009

Von Eckhard Supp - Die Kulisse konnte spektakulärer nicht sein, und das Wetter spielte, trotz der schon recht niedrigen Oktobertemperaturen, ebenfalls mit. In Stockholms Opernrestaurant, sonniger Blick auf das Schloss des Schwedenkönigs, die Parkanlage des Kungsträdgården und die noblen Hotels der „Waterfront“ der Södra Blasieholmshamnen inklusive, hatte Australiens Kulterzeuger Penfolds zur Recorking-Clinic geladen.

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Peter Gago (li), Chefönologe von Penfolds, beim Evaluieren der
Flaschen eines Sammlers im Stockholmer Opernrestaurant.

Penfolds Recorking-Clinic ist eine schon fast legendäre Institution, bei der in den letzten beiden Jahrzehnten weltweit schon mehr als 90.000 Flaschen alter – 15 Jahre ist das Mindestalter - Rotweine der australischen Kellerei begutachtet, geöffnet, verkostet und mit einem speziellen Label versehen wieder verkorkt wurden. Im Gegensatz zu dem, was gelegentlich in der Presse zu lesen ist, erklärt Peter Gago, der Chefönologe von Penfolds, der diese Veranstaltungen in der Regel selbst leitet, werden nicht nur alte Jahrgänge des Kultweins der Australier, des Grange (früher: Grange Hermitage) neu verkorkt, sondern auch die aller anderen, noch lagerfähigen Rotweine der Kellerei. Den Rest des Beitrags lesen »


Und immer wieder der Blödsinn mit dem Terroir

29. Oktober 2009

Von Eckhard Supp - Dieser Tage stieß ich im Internet (auf decanter.com) auf eine sensationell klingende Meldung: „US geologists challenge ‘gout de terroir’“, US-Geologen stellen Terroirgeschmack in Frage. In dem Artikel hieß es, Wissenschaftler im US-Staat Oregon hätten behauptet, dass es so etwas wie einen Terroirgeschmack nicht gebe, wobei die von decanter.com zitierte Fragestellung ihrer Studie schon recht merkwürdig klang: „Im Rahmen einer Studie von Weinbergsböden haben Geologen, die zur diesjährigen Jahrestagung der Geological Society of America in Portland (Oregon, d. Red.) zusammenkamen, festgestellt, dass der Terroirgeschmack – wörtlich übersetzt als „Bodengeschmack“ – vermutlich nicht durch die Mineralien im Weinberg verursacht wird.“ Den Rest des Beitrags lesen »


Weinlese – Wein und Weingenuss (1)

20. September 2009

 

Von Heinz Behrens – Schon Aristoteles philosophierte über die positive Inspiration durch Weingenuss

„vergeblich klopft, wer ohne Wein ist, an der Musen Pforte“

und beim Lesen dieser Stelle habe ich erst einmal eine ordentliche Flasche geöffnet. Es ist ein

2004 Malterdinger Bienenberg
Weißer Burgunder Spätlese trocken
Weingut Bernhard Huber (Malterdingen/Baden)

Weiß Gott kein R(h)einfall sondern ein verdammt guter Einfall, denn der gehört zu den besten Weißen Burgundern in unserem Keller. Beim Winzer leider ausverkauft, aber wenn Sie ihn auf einer Weinkarte finden, kurz und trocken zuschlagen. Jeder Schluck ein Genuss! Ansonsten hat Bernhard Huber auch in den Folgejahren wunderbare Weißburgunder gekeltert, ähnlich wie seine badischen Kollegen Andreas Laible in Durbach, Cornelia und Reinhold Schneider in Endingen oder das Weingut Salwey in Oberrotweil am Kaiserstuhl.

Mein Großvater empfahl, möglichst an jedem Tag eine Flasche Wein zu öffnen, sie aber niemals allein zu trinken. Seine Mahnung: „Wenn du den Wein allein vor dich hinsüffelst, spätestens dann ist dein Problem offensichtlich. Und wird kurz darauf auch sichtbar!“

Und er gab mir noch einen Rat mit auf meinen Lebensweg:

Das Leben ist zu kurz um schlechte Weine zu trinken.

Daran hat er sich gehalten und ist 89 Jahre alt geworden.


Unser Gastbeitrag – Angelo Gaja zur EU-Weinmarktordnung

20. September 2009

 

Wie immer, wenn die EU regulierend in historisch gewachsene Ordnungssysteme eingreift, sind viele schnell mit einer pauschalen Verurteilung bei der Hand. Aber ist an der neuen Weinmarktordnung wirklich alles so schlecht? Italiens Starwinzer Angelo Gaja zeichnet ein deutlich differenzierteres Bild der neuen Regelwerke.

 

Von Angelo Gaja - Wie soll man die neue Weinmarktordnung bewerten? Ich versuche es einmal mit Noten. Eine Eins gebe ich dabei für die Pünktlichkeit. Allen Zweiflern zum Trotz, die meinten, es würde sicher wieder einen Aufschub geben, verabschiedete die Landwirtschaftskommission der EU pünktlich zum 1. August 2009 die Reform der EU-Weinmarktordnung.

Um die Bedeutung dieser Reform zu begreifen, muss man sich das bisherige System der EU-Landwirtschaftsförderung vergegenwärtigen: Über 75% der für den Weinbereich reservierten Ressourcen wurden allein für die Vernichtung der Überproduktion verwendet. Eine Überproduktion, die mitunter bewusst erzeugt worden war. Den Rest des Beitrags lesen »


Weltmeisterlich daneben – Del Monego gibt Tipps

8. September 2009

 

Von Eckhard Supp – Weder der Titel eines Weltmeisters – um genau zu sein eines „Weltmeisters der Sommeliers 1998″ – noch der eines „Masters of Wine“ schützen offenbar vor selbst gröberen Torheiten. Als solche muss man das bezeichnen, was der bekannte Sommelier Markus del Monego schon am 3. August auf den Foodseiten von Fit for fun in Sachen Weinempfehlungen von sich gab.

„Der beste Wein aus dem Supermarkt“ war der knappe Text überschrieben, in dessen Kürze leider gar keine Würze lag, und der von einer Liste von konkreten Weinempfehlungen aus verschiedenen Supermärkten ergänzt wurde. Die Hauptthese des Artikels war – vielleicht nicht zufällig? – unter den „weiteren Einkaufstipps unseres Experten“ versteckt. Sie lautete: „Verlassen sie sich nicht auf hohe Preise. Es gibt bereits tolle Weine ab zwei Euro.“Nein, Sie haben nicht falsch gelesen. Nicht von anständigen, preisgünstigen Weinen für das kleine Budget ist hier die Rede – „tolle Weine“, so der Experte, gebe es bereits für 2 Euro. Den Rest des Beitrags lesen »


Rockpool Bar & Grill hat Australiens „Best wine list of 2010″

27. August 2009

 

Von Michael Brecht – Der Shooting Star bei der diesjährigen Verleihung der Restaurant Awards des Australian Gourmet Traveller Magazins war das Rockpool Bar & Grill aus Sydney, der erst vor fünf Monaten eröffnete Ableger des berühmten Rockpool Restaurants in Sydneys Touristenviertel The Rocks. Wohl verdient, ist es doch eines meiner absoluten Lieblingsrestaurants hier Down Under. Das Rockpool Bar & Grill gewann in dieser Woche u. a. in den Kategorien „New Restaurant of the Year“, „Wine List of the Year“ and „Maitre d’ of the Year“ und ist mit insgesamt fünf Titeln bestdotiertes Restaurant des Landes.

Aus meiner Sicht ist natürlich die Weinliste von besonderer Bedeutung. Ich konnte es kaum glauben, als ich bei der Eröffnung erfuhr, dass in den Kellern des Rockpool mehr als 3.500 Weine auf die Verkostung warten. 3.500 Weine – das bedeutet , dass man fast 10 Jahre lang jeden Tag eine neue Flasche probieren könnte. Der Weinkeller repräsentiert ein Investment von umgerechnet knapp fünf Millionen Euro, mit Weinen, die das Inhaber-Triumvirat David Doyle, Trish Richards und der australische Starkoch Neil Perry in den letzten 20 Jahren sammelte. Den Rest des Beitrags lesen »


Deutsche Weinliebhaber – für australische Winzer eine Fata Morgana?

17. Juli 2009

 

Von Michael Brecht – Der deutsche Markt scheint für australische Weinexporteure ein schweres Pflaster zu sein. Neben einem Überangebot an Tropfen aus allen Ecken dieser Erde erlebt der deutsche Wein in den vergangenen Jahren ein wahres Come-back. Vorbei sind die Zeiten, in welchen der bevorzugte Spruch meines VWL Professors –  “wer Rheinhessen säuft, der säuft auch Aral“ – durchaus Berechtigung hatte. Ich bereise zur Zeit mein altes Heimatland und genieße viele neue, frische und hochklassige deutsche Weine – landauf und -ab.

Deutschland war im vorvergangenen Jahr der zweitgrößte Weinmarkt Europas für die australischen Weinexporteure. Allerdings ist der Durchschnittspreis einer australischen Flasche in deutschen Regalen auf unter 2 EUR gerutscht. Eine durchaus normale Konstellation für ein Land, welches seinen Wein mehrheitlich über Supermärkte vertreibt. Leider ist ein solches Preismodell jedoch von nur ganz wenigen grossen Winzern durchzuhalten. Im Vergleich zu dem genannten Durchschnittspreis kostet ein Cappucino in Sydney oder Melbourne mehr. Und qualitativ kann eine solche Preispolitik keine Spitzenprodukte hervorlocken, wir finden in den deutschen Regalen die Weine, die in Australien kaum einer trinkt. Den Rest des Beitrags lesen »


New World Wine Alliance – Die Neue Welt bedient ihre schlimmsten Gegner

16. Juli 2009

 

Von Eckhard Supp – Gerade glaubte ich wirklich einen Moment lang, mich tritt ein Pferd! Auf Twitter fand ich zwei Mitteilungen von Su Birch und Andre Morgenthal, der Chefin und dem Pressemann der südafrikanischen Weinexportvereinigung WOSA, in der eine enge Kooperation von fünf weinerzeugenden Ländern der so genannten Neuen Welt angekündigt wird, die New World Wine Alliance. Als erste gemeinsame Maßnahme haben die fünf – neben Südafrika gehören der Allianz Argentinien, Chile, Kalifornien und Neuseeland an, während Australien, das derzeit ausschließlich in Asien aktiv zu sein scheint, fehlt – geplant, ihre Präsenz auf der ProWein im kommenden Frühjahr in eine eigene, gemeinsam gemietete Halle zu verlegen.

Nun ist das an sich noch keine skandalöse Nachricht, auch wenn ich stark bezweifle, ob sich das Fachpublikum, das die ProWein frequentiert, davon beeindrucken lässt, dass nicht, wie bisher in Halle 6, Spanier oder Portugiesen benachbarte Ausstellungsflächen belegen, sondern man „unter sich“ ist. 15 Jahre ProWein-Erfahrung lassen mich eher das Gegenteil vermuten, aber sei’s drum! Und ob man, wie die Allianz behauptet, durch einen Zusammenschluss von fünf riesigen Weinbaunationen „regional strengths“, regionale Stärken, ausspielen kann, wage ich ebenfalls einmalzu bestreiten, ohne hier aber weiter darauf eingehen zu wollen.

Der eigentliche Skandal der Mitteilung liegt für mich denn auch nicht in der Ankündigung einer irgendwie gearteten Zusammenarbeit von fünf Weinbaunationen, sondern in der langen und ausführlichen Begründung, die für diesen Gründung der Allianz gegeben wird. „All five countries have succeeded in building their wine trades on the back of aggresive branding; by demystifying wine … and by focusing on technical, packaging and marketing innovation, while  giving increasing accent to sustainable wine-growing and wine production.“ Den Rest des Beitrags lesen »


Offenbarungseid des DWI – Schließungen und Kürzungen

15. Juli 2009

 

Von Eckhard Supp – Manchmal ist dem Kritiker gar nicht so wohl bei der Vorstellung, mit seinen Warnungen in allen Punkten Recht gehabt zu haben. Bereits am Tag der Veröffentlichung des CMA-Urteils, mit dem Zwangsabgaben im Agrarbereich für verfassungswidrig erklärt worden waren, hatte ich in diesem Blog geschrieben: „Das würde bedeuten, dass Weinfonds und Weininstitut sich entweder durch Steuergelder bzw. durch freiwillige Abgaben der Winzerschaft (wie etwas das Wine Institute of California) finanzieren müssten oder von der Bildfläche verschwinden würden.“

DWI und Weinfonds, in Person von Geschäftsführerin bzw. Vorstandsmitglied Monika Reule, wischten diese Bedenken damals mit vollmundigen Erklärungen beiseite und deklamierten, die Zukunft sei golden, die Existenz der beiden Organisationen durch das Urteil nicht im Mindesten in Frage gestellt, und überhaupt verstehe man die ganze Aufregung nicht. Den Rest des Beitrags lesen »