Aldi und kein Ende?

 

Von Eckhard Supp - Sie ist so unvermeidlich wie fallendes Laub im Herbst und lässt sich so regelmäßig sehen wie der Kuckuck in einer guten Schwarzwälder Uhr – die Debatte darüber, ob Aldi und andere Discounter wirkliche Schnäppchenweine anzubieten haben und ob ihre Billgweine wirklich Trinkgenuss bescheren.

Priewe und Aldi

Jetzt hat sich ein renommierter Weinautor dieses Themas auf seine ganz eigene Art angenommen. Dabei ist Jens Priewe niemand, den man verdächtigen würde, seinen Weinkeller mit Aldi- oder Lidl-Angeboten zu bestücken. Dennoch hat der Münchener in seinem Blog auf bongusto.de in den letzten Wochen gleich zwei Mal über Weine von Aldi Süd geschrieben, und zwar auf eine Weise, die den Verdacht nahelegt, dass er dem Discounter mit Haut und Haaren verfallen ist.

Am 12. Oktober durften seine Leser eine längere Passage über das aktuelle Weinangebot von Aldi Süd lesen, die man sich lobender und überschwänglicher kaum wünschen konnte: „Ab Montag, 13. Oktober 2008 hat Aldi Süd vorübergehend ein paar Weine im Programm, die auch für anspruchsvollere Weintrinker interessant sein könnten … ein echtes Schnäppchen … ein schöner, eleganter Rotwein bei dem man die ganze Süße und Würze Italiens zu schmecken meint.“ Doch, ein paar kritische Bemerkungen gibt es in dem Artikel auch, aber sie sind so gut versteckt, dass sie wirklich nur bei sehr genauem Lesen auffallen – den übermäßig positiven Gesamtcharakter des Artikels stören sie jedenfalls nicht.

Am 2. November kam es dann noch dicker und ohne jeden Anflug von „störender“ Kritik: „Weintrinker warten seit einem Jahr auf diesen Tag: Am Montag, den 3. November wird endlich der erste Spätburgunder bei Aldi-Süd angeboten, … Für echt preiswerte 6,99 Euro … Normalerweise ist ein Spätburgunder mit Qualitätsanspruch für unter zehn Euro nicht zu haben, oft kostet er 12 Euro und mehr … einer der besten deutschen Winzer … mehrfach den deutschen Rotweinpreis gewonnen …“

Nun gehöre ich nicht zu denjenigen, die der Meinung sind, alles was von Discountern stammt, müsse per se sauschlecht sein, aber das hier scheint mir doch alles ein wenig dick aufgetragen. Noch dazu, wenn man bedenkt, dass Priewe den Spätburgunder von Keller, den er hier über den Klee lobt, „… leider noch nicht probieren …“ konnte.

„Reklame, Reklame …“, möchte man rufen, und für die ganz Begriffstutzigen, wird der Artikel vom 12. Oktober auch noch von einem dicken Aldi-Logo geziert. Nicht, dass jemand aus Versehen zu Lidl oder Rewe oder Edeka läuft …!

Auffällig ist, dass Priewe von den insgesamt nur sieben „posts“, die er in den letzten zwei Monaten (13.9. – 12.11) veröffentlicht hat, gleich zwei mit Lobhudeleien über Aldi füllt. Eine wirklich beachtliche Aldi-Quote, wie mir scheint.

4 Antworten zu „Aldi und kein Ende?“

  1. pastahh sagt:

    Ich hab mal gefragt und eine Antwort bekommen:
    http://www.bongusto.de/community/blogs/jens-priewe/aldi-bringt-deutschen-spaetburgunder-fuer-6-99-euro

  2. Eckhard Supp sagt:

    Hallo Pasta,

    also, wenn ich ehrlich bin, hätte ich auf die Anfrage auch nicht anders geantwortet als der Kollege Priewe (… hoffe allerdings, dass ich nicht in die Verlegenheit kommen, Fragen in diese Richtung beantworten zu müssen). Was ich nur merkwürdig finde, ist zweite Satz der Antwort: „…mein Honorar kriege ich von BonGusto, nicht von Aldi. Und gelobt habe ich den Wein erst, nachdem ich ihn probieren konnte…“, denn im Originalbeitrag schreibt Priewe ja explizit, dass er den Wein noch nicht verkostet hatte, als er ihn lobte.

    Eckhard Supp

  3. pastahh sagt:

    Hallo Herr Supp!

    Ich habe nicht erwartet, dass Herr Priewe in seiner Antwort Zahlen nennt. Es ist aber immer spannend wie die Antworten gegeben werden, die man erwartet. Außerdem hat er ja auch nicht gesagt, ob eventuell BonGusto in einer geschäftlichen Beziehung zu Aldi steht.

    Beste Grüße Pasta

  4. Michael Liedtke sagt:

    Angriff auf den Fachhandel.

    Leider muss man feststellen das die meisten Produkte für Kenner ungeniesbar sind.

    Der LEH versucht halt ob Discounter oder nicht auch was von dem Kuchen abzubekommen.

    Es ist eine Frage der Zeit, bis der erste Winzer in einem der hiesigen Verbruachermärkten eine Degustation seiner Weine macht.

    Leider wird der Kunde auch zumeist geblendet ich denke an die Mosel Rieslinge von Raimund Prüm.

    Es fragten sich so einige wie es sein kann einen Prüm Wein so günstig zu verkaufen (ist doch der Preis normal um die 15-25 €) tja hätte man oder der Kunde mehr Wissen wüßte man das es sich nicht um die renomierten Betriebe S.A. Prüm oder J.J. Prüm handelt.

    Der erstere S.A. Prüm ist leider auch mit seinen Weinen zumindest bei Aldi Süd vertreten für 19.90€ dies war auch der Grund warum er bei vielen Weinfachhandlungen zu recht aus dem Sortiment genommen worden ist.

    Ich finde es persönlich Schade das ein großteil der Konsumenten zu sehr auf den Preis achten, insbesonders zwisdchen LEH und Fachhandlung.

    Hat doch der Kunde nur Vorteile im Fachhandel, er kann probieren, sich beraten lassen, felerhafte Weine umtauschen und vieles mehr.

    Es wird sich bald Zeigen wo es hingeht.

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