Von Eckhard Supp - Zum Beitrag und zum Editorial von vorgestern fiel mir beim Aufräumen meines Schreibtischs noch die Kopie eines Schreibens in die Hände, das die Geisteshaltung und den Impetus des Stern-Redakteurs Bert Gamerschlag auf den Nenner bringt: Im Mai dieses Jahres schrieb Gamerschlag an Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder und wollte diesen vor seinen Karren spannen. Hier einige Auszüge sowie die Reaktion von Schröder:
„Sehr geehrter Herr Bundeskanzler, sehr geehrter Herr Schröder,
mein Name ist Bert Gamerschlag und ich bin der beim „stern“ für alles Ess- und Trinkbare zuständige Mensch. Dieser Beruf macht normalerweise nichts als Freude. Seit geraumer Zeit interessiere ich mich aber für die Geschäfte des Hardy Rodenstock, der xxxx (den bürgerlichen Namen von Rodenstock haben wir aufgrund des entsprechenden Gerichtsurteils gestrichen) hieß, bis er sich vor etwa 30 Jahren umetikettierte.“
Klar, dass jemand, der sich selbst umetikettierte, auch nicht davor zurückschreckt, Weine umzuetikettieren!
Dann heißt es: „Seitdem handelt er mit alten, raren Weinen. Leider sind die wohl nicht alle koscher, wie sich jetzt mehr und mehr herausstellt …. Herr Rodenstock war und ist in einige hässliche Rechtshändel verwickelt, in deren Zusammenhang er sich gern seiner Verbindung zu seinem „Freund Gerd“ rühmt. Wir haben Grund zur Annahme, dass es sich hier um Ihre Person handelt. Es scheint nicht ausgeschlossen, dass er Ihren guten Leumund zu Geschäften genutzt hat, die in Zukunft öffentlich und kontrovers verhandelt werden könnten.“
Und schließlich: „Joschka Fischer, der mich ein wenig kennt und wohl auch schätzt, empfahl mir, mich an Sie zu wenden. Ich soll Sie grüßen…. Ich würde mich freuen, mich mit Ihnen über Ihre Verbindungen zu Herr (sic!, d. Red.) Rodenstock unterhalten zu dürfen. Das könnte Schaden und Aufmerksamkeit dorthin lenken, wo sie hingehören.“
Unverblümter kann man wohl jemandem kaum androhen, seinen Namen mit in den Dreck zu ziehen, wenn er nicht kooperiert.
Die Antwort Schröders ist trotz dieser mehr oder weniger unverhüllten Drohung kurz und klar: „… ich kenne Herrn Rodenstock (Fehlerkorrektur 21.11., E. S.) gut. Über seine Geschäfte habe ich keine Kenntnisse. Persönlich hatte ich nie Anlass, an seiner Seriosität zu zweifeln.“