Von Winfried de Bernard du Breil – Zum ersten Male erklimmt ein chilenischer Wein die Spitze des einflussreichen Rankings in den USA. The Wine Spectator wählte die Assemblage Clos Apalta 2005 des Weingutes Casa Lapostolle (Cachapoal) als Sieger des Jahres 2008.
Clos Apalta 2005 verwiess andere bedeutende Weine auf die Plätze:
2. Chateau Rauzan-Ségla 2005 (Margaux) – Frankreich
3. Douro Old Vines 2005 (Quinta do Crasto) – Portugal
4. Chateau Guiraud 2005 (Sauternes) – Frankreich
5. Chateauneuf du Pape 2005, (Domaine du Vieux Telegr.) – Frankreich
6. Barolo 2004, (Pio Cesare) – Italien
7. Chateau Pontet-Canet 2005 (Pauillac) – Frankreich
8. Chateauneuf du Pape 2005, (Chateau de Beaucastel) – Frankreich
9. Shiraz McLaren Vale 2007, (Mollydooker) – Austalien
10. Zinfandel Sonoma County 2007, (Seghesio) – USA
Innerhalb des Rankings der 100 besten Weine waren die Franzosen mit 31 Nominierungen bei weitem die Besten gefolgt von USA (22), Italien (16), Australien (6), Spanien (5), Argentinien (4), Deutschland (4), Portugal (4), Oesterreich (3), Chile (2), Neuseeland, Suedafrika und Israel je (1)
Der zweite chilenische Wein war auf Platz 25 der Don Melchor Cabernet Sauvignon 2005 von Concha y Toro.
Viña Casa Lapostolle gehoert zur franzoesischen Marnier Gruppe und wird von Alexandra Marnier-Lapostolle geleitet. Die Familie hat bereits vor Jahren Michel Rolland als ihren Berater kontrahiert und hat konsequent auf hohe Qualitaet ihrer Produkte Wert gelegt. Millionen wurden in eine „state of the art“ Kellerei investiert – ein Besuch lohnt sich, wenn man die Gelegenheit bekommt, Einlass zu erhalten.
Michel Rolland hat es verstanden mit seinem Team, die amerikanische Geschmacksrichtung genau zu treffen. Für uns Europäer sind diese Weine meiner Meinung nach viel zu sehr vom Barriqueausbau geprägt – eine Tendenz, die bei unseren amerikanischen Weinfreunden wohl immer noch auf viel Gegenliebe stößt. Bei einem kuerzlich gemachten Besuch bei Lapostolle mit einem bekannten französichen Winzer hatte ich Gelegenheit, alle Top Weine zu verkosten, deshalb erlaube ich mir auch, hier eine kritische Anmerkung zu machen.
Der Clos Apalta war bereits 2004 (mit dem Jahrgang 2001) und 2006 (mit dem Jahrgang 2003) unter den besten 100 Weinen zu finden. Der in diesem Jahr praesentierte Wein war ein Blend aus Cabernet Sauvignon, Merlot, Petit Verdot und mehrheitlich Carmenère. Erfreulich für Chile natuerlich die Tatsache, dass Carmenère sich mehr und mehr an Beliebtheit erfreut und wir eines Tages wirklich in der Lage sind, einen sehr hochwertigen und herrausragenden Carmenère zu vermarkten. Es gibt bereits gute Ansätze, aber die Qualitaeten schwanken einfach noch zu oft.
26. November 2008 um 0:37
Hallo Winfried,
herzlich willkommen mit Deinem ersten Beitrag. Ist natürlich ein toller Erfolg für die Chilenen, aber, wenn ich ehrlich bin, erstaunt er mich nicht sonderlich.
Nicht nur die Amerikaner, auch ich finde den Clos Apalta einen der besten Weine der Welt. Leider war der 2002er der letzte, den ich verkosten konnte, aber ich erinnere mich, dass ich dem Wein eine der höchsten Bewertungen der letzten zehn Jahre gegeben habe. Vielleicht kannst Du ja im Weingut mal fragen, ob sie uns nicht eine komplette Serie der aktuellen Weine nach Hamburg schicken können. Ich kenne noch eine Reihe Kollegen, die die Weine gerne mitverkosten würden.
Ich bin übrigens, was den Barriqueausbau betrifft, weit weniger kritisch als Du. Weine wie der Clos Apalta sind ja nicht zum Wegtrinken, sondern zum Weglegen gemacht. Und dann lass uns in 10, 15 oder 20 Jahren nochmal über die Barriquenoten reden! Ich glaube, dann wird sich das Problem ganz anders darstellen!
27. November 2008 um 14:25
Salut Eckhard,
danke fuer den Willkommensgruss.
Wie schoen, dass wir nicht ganz einer Meinung sind, waere ja auch langweilig wenn alle ins gleiche Horn blasen wuerden. Ich habe ja garnichts gegen einen kraeftigen Barrique-Ausbau, wenn ich die Zeit, das Geld, die Musse und den richtigen Keller habe, um 10-15-20 Jahre warten zu koennen, aber ich bin der Meinung, dass dies nicht die Aufgabe Chile’s – oder generell Suedamerikas sein sollte, solche Weine zu produzieren. Ihr auf dem „alten Kontinent Europa“ habt so viele grosse Namen, die ueber Jahrhunderte hinaus erfolgreich solche Weine gekeltert und kommerzialisiert haben – warum sollen ausgerechnet wir als „Neue Welt“ in dieses Segment einsteigen. In Suedamerika haben wir sowieso keine Keller – hier freuen wir uns schon, wenn jemand einen Weinkuehlschrank hat.
Suedamerika hat sich meiner Meinung nach auch deshalb einen Namen gemacht, weil man selbst hochwertige Weine ohne laengeres Warten trinken konnte. Das soll natuer-
lich nicht heissen, dass man sie nicht 5-10 Jahre weglegen kann. Viele unserer Neu-
kunden haben dies auch ganz besonders begruesst.
Vielleicht koennen wir uns beide auf einen Kompromiss einigen ??
Un saludo cordial aus Chile
Win