Von Astrid Schwarz – In seiner Kolumne „Weindrücke“ der letzten Ausgabe der Zeitschrift Merum setzt sich Jens Priewe mit der italienischen Region Apulien auseinander. Besonders mit dem Anbaugebiet Salento geht er hart ins Gericht.

Apulien – Trulli bei Alberobello
Die Weine seien ihm zu üppig und unelegant, meint er und fragt sich, was Konsumenten und Kritiker an Weinen wie Gratticiaia, Patriglione, Platone usw. finden. Auch an der Rebsorte Primitivo lässt er kein gutes Haar, 16-prozentige Weine entsprächen nicht mehr den modernen Genussbedürfnissen, die apulischen Weinmacher seien in einer Art „byzantinischer Önologie“ stehengeblieben.
Aber auch an den Versuchen einiger Winzer schlankere Weine zu produzieren findet er keine Freude – deren Weine wirken auf ihn wie „auf dünn getrimmt“.
Aber Rettung naht! Eine neue Önologie braucht neue Köpfe… und siehe da, Jens Priewe hat sie in der Familie Antinori (Masseria Maime) und den Gebrüdern Falvo (ex Avignonesi – Weingut Le Veli) gefunden. Deren Weine nennt er komplex, frisch und unverwechselbar. Diese Zugereisten hätten in kürzester Zeit begriffen, wozu Einheimische in tausend Jahren nicht imstande waren, ja er glaubt sogar, daß die Herrschaften das Salento in mancher Hinsicht besser begriffen haben, als ihre toskanische Heimat. WIE WAHR!! – Wird es mit ihnen bald keine reinen Sangioveseweine in der Toskana mehr geben?
Das Ganze wird noch durch die „Sonntagsfrage“ getoppt. Da geht es um den Wein, der Jens Priewe in den letzten zwei Monaten die größte Enttäuschung bescherte. Ich zitiere: „2004 Barolo Bussia, Prunotto – Massen von Tannin, extreme Konzentration, hohe Extraktsüße, null Eleganz. Ein Barolo, wie Kalifornier ihn sich vorstellen“. Aber, bitte sehr, wer steckt denn hinter Prunotto? Genau: Dasselbe Weinhaus ANTINORI, das laut Priewe zu den neuen Köpfe der Önologie gehört. BRAVO, so etwas nennt man konsequent argumentiert.
Apulien ist nach wie vor als Verschnittweinlieferant bekannt, aber es gibt einige Winzer die sehr gut arbeiten und authentische Weine keltern. Sie haben mit geholfen die Landflucht zu stoppen, den Tourismus anzukurbeln und haben neuen Wohlstand nach Apulien gebracht. Gratticiaia und Patriglione sind Traditionsweine und finden durchaus Liebhaber. Sie waren und sind Vorzeigeweine dieser Region.
Das Einzige was man Jens Priewe zu Gute halten kann, ist die Tatsache, dass er Apulien im Juli bereiste. Da wäre mir ein frischer Riesling auch lieber gewesen!
26. November 2008 um 19:25
Astrid,
ich habe den Artikel zwar nicht gelesen, aber was Du zitierst, klingt schon merkwürdig und vor allem widersprüchlich. Da wird Antinori für seine apulischen Weine gelobt, aber der Primitivo soll nichts taugen.
Ich habe nun zufällig vor drei oder vier Wochen bei einem Weindinner neben Piero Antinori gesessen, der von seinen apulischen Investitionen voll und ganz überzeugt war – immerhin hat er ja auch gerade viel Geld dort investiert – und der als den wichtigsten Grund für seinen Optimismus die Qualität der einheimischen Rebsorten nannte (Primitivo inbegriffen oder sogar allen voran), die er sogar höher als die der sizilianischen Sorten einschätzte.
Und was die Weine von Prunotto (Antinori) betrifft, so litten m. E. diejenigen, die mir nicht so gut gefielen, eher ein wenig an Mangel an Dichte und Fruchtfülle, i. e. Konzentration. Das ist natürlich beim hervorragenden Barolo Bussia 2004, dem schönsten Wein der jüngeren Jahrgänge, nicht der Fall.
Eckhard