Who pays the piper calls the tune…

  

Von Michael Pleitgen – „Who pays the piper calls the tune“ … ist ein altes englisches Sprichwort. Die deutsche Entsprechung ist genauso alt und heißt: „wer zahlt, schafft an.“ Eine allgemein anerkannte Spielregel unserer Gesellschaft: Der Chef zahlt das Gehalt des Angestellten und bestimmt damit, was dieser zu tun oder zu lassen hat. Der Gesetzgeber gibt dafür den Rahmen in Form von Arbeits- und Tarifrecht vor. Im Restaurant bestimme ich, was auf meinen Teller kommt. Weil ich schließlich dafür bezahle.

Wer bestimmt, was in den Medien Thema ist? Krombacher, Eon, Addidas und Co ermöglichen Brot und Spiele und die Sponsoren die rauschende Nacht des Presseballs. Zeitungen werden nicht von den Käufern oder Abonnenten finanziert, sondern von den Anzeigenkunden. Das lernt man heute schon fast in der Grundschule. Die Aufregung ist immer dann groß, wenn das Auftraggeber-Auftragnehmer Verhältnis zu offentsichtlich wird. Dann scheint die Glaubwürdigkeit der Medien erschüttert, die Unabhängkeitder 4. Gewalt gefährdet, das Abendland in Gefahr. Machen wir uns nichts vor: der erste Sündenfall geschah im Paradies. Das Paradies existiert nur in der Vorstellung, genauso wie das paradiesische Zeitalter der unabhängigen Medien.

Es ist also klar, wer den Ton vorgibt, wer allen Beteuerungen zum Trotz direkt oder indirekt die Inhalte bestimmt. Macht es einen Unterschied, ob auf QVC Affentaler Spätburgunder verkauft oder auf n-tv eine Weinserie von Deutschlands führendem Versender gesponsort wird? In beiden Fällen geht es ums Verkaufen.  Einmal ganz offen und einmal mit ein bißchen Witz und Unterhaltung. Womit wir wieder bei Brot und Spielen wären. Mir persönlich ist QVC zu langweilig, wenn ich denn fernsehe, gucke ich mir lieber Brot und Spiele an. Weinverkaufen via TV: Ein Problem damit haben sicher weder die Affentaler Winzergenossen noch HAWESKO oder deren Kunden.

Eine Antwort zu „Who pays the piper calls the tune…“

  1. Eckhard Supp sagt:

    Hallo nach Berlin,

    nun ja, das ist sicher ein realistischer Standpunkt. Aber wer sich diesen als Journalist zu eigen macht, der muss nicht nur alles an journalistischer Ethik, die er vielleicht noch intus hat, über Bord werfen, sondern auch gleich noch die Pressefreiheit und die Funktion als „vierte“ Gewalt, die uns in unserer Demokratie ja lieb und teuer ist.

    Dann machen in Zukunft eben die Putins und die Coca Colas und die Pinochets, die General Motors und Volkswagen und Himmlers und Bushs und Maggis und, und, und …. unsere Zeitungen. Aber ob das wirklich begehrenswert ist, vor allem, ob sich das dann noch „Demokratie“ nennen sollte, wage ich zu bezweifeln.

    Eckhard Supp

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