Gute Weine für weniger als 5 Euro – Gibt es die?

 

Von Heinz Behrens – Hendrik Thoma hatte den Stein ins Rollen gebracht – auf WELT ONLINE. Auf die Frage, ob es für 5 € einen guten roten Hauswein gäbe, antwortete er: „Für diesen Preis gibt es kein Erlebnis, sondern nur Wirkung.“

Mario Scheuermann widersprach dem entschieden: „Es gibt sie!“ Er habe gerade zu einem Cassoulet einen Corbières Ambassade 2007 von Château Meunier St-Louis in Boutenac (4,95 €) getrunken und mit 85 Punkten bewertet.

Hamburgs Weinhändler Gerd Rindchen wollte daraufhin die Probe aufs Exempel machen und lud etwa zwei Dutzend Foodjournalisten dazu ein, 23 Weine zu verkosten, die in seinen Wein-Kontoren bzw. in seinem Online-Versand meevio.de unter 5 € angeboten werden.

Ich mach’s mal kurz und knapp: was den »Corbières Ambassade« angeht, hatte Scheuermann Recht. Auch der Palacio de Mercado 2003 Crianzo Barrica aus dem Duerotal, ein sortenreiner Tempranillo für ebenfalls € 4,95 wurde nicht nur von mir als wirklich guter Hauswein eingestuft: Rubinrot, klare Frucht, ein saftiger Begleiter für handfeste Hausmannskost. Herz, was verlangst du mehr? Selbst der preisgünstigste Wein, ein 100prozentiger Carignan aus dem Haus Prade Mari für erstaunliche € 3,60, erklomm noch die obere Kante der Mittelmäßigkeit – und das ist positiv gemeint. Auch bei den Weißen boten der Grüne Veltliner 2007 von Alfred Maurer oder der 2007er Edenbusch Silvaner von Peth-Wetz – beide für € 4,95 – mehr als nur Wirkung. 

Sicher, ich muss auch Einschränkungen machen: einige der Roten hatten einen nicht immer ganz sauberen oder zu holzigen Grundton, und einige Weiße eine für meinen Geschmack recht pappige Restsüße. Aber wie sagte schon Kant: „Über Geschmack lässt sich nicht disputieren.“

Fazit: Wer nicht neugierig ist und darum nicht immer wieder nach Neuem sucht, der sollte von Zeit zu Zeit zumindest seine Vorurteile neu gruppieren. Na klar, „es war schon immer etwas teurer, einen guten Geschmack zu haben“ – hieß es einst in einer Cigarettenwerbung. Aber nicht jeder kann sich Weine über 20 € leisten oder, pardon,  dem Etikettentrinken frönen.

Aber wahrscheinlich haben ja viele Weinfreunde schon ähnliche Entdeckungen gemacht!? Für Hinweise auf mehr tolle Weine unterhalb der 5-€-Schwelle wäre sicherlich nicht nur ich dankbar.

15 Antworten zu „Gute Weine für weniger als 5 Euro – Gibt es die?“

  1. Eckhard Supp sagt:

    Moin, moin,

    da hat sich der gute Hendrik wohl wirklich etwas vergriffen. Allemal hinsichtlich der Adressaten seines Statements, denn unter den WELT-ONLINE-Lesern dürften nicht wenige sein, für die die 5-Euro-Schwelle so etwas wie die ultima ratio darstellt. Entsprechend hat er ja in den Kommentaren zu dem Beitrag von den Lesern „Prügel“ bezogen – ich verzichte mal darauf, die hier zitieren, aber sie waren von nicht zu überbietend drastischer Sprache!

    Aber Hendrik Thoma hat sich auch inhaltlich vergriffen. Hätte er gesagt, dass man unter fünf Euro nur begrenzte Komplexität, Langlebigkeit, Eleganz oder sonstwas erwarten kann, wäre ich vielleicht sogar mit ihm einverstanden gewesen. Aber zu behaupten, unter 5 Euro gäbe es „kein Erlebnis, sondern nur Wirkung“, ist wirklich starker Tobak, zumal ich das „nur Wirkung“, wenn es denn nicht heißen soll „nur Alkohol“, gar nicht so richtig verstehe.

    Der arme Hendrik hat wohl noch nie bei Sonnenuntergang in den Hügeln der Toskana, über den Steilhängen der Mosel oder am Ufer der Gironde gesessen, ein einfaches Mahl genossen und dazu einen leckeren Hauswein getrunken, vielleicht sogar aus der Karaffe, die der Wirt vorher aus der großen Bauchflasche füllte.

    Oder er ist ein solch grober Klotz, dass dies keinerlei Emotionen („Erlebnis“) bei ihm auslöste. Da ich ihn allerdings kenne und das nicht glauben kann, vermute ich, dass er nur einen Satz in die Gegend geplappert hat, den er besonders intelligent und wohlklingend fand. Oder aber er hat das Ganze so gar nicht gesagt, sondern ein besonders einfallsreicher Journalist hat es ihm in dieser Form in den Mund gelegt.

    Wie auch immer, eigentlich ist er für seine Äußerung nur zu bedauern.

  2. Christian Wenger sagt:

    Fünf Euro rauf und runter, viele schreiben, wenige sagen etwas. Dass es vehemente Befürworter von Weinen unter 5 Euro geben muss, erklärt sich schon aus dem Durchschnittspreis eines in Deutschland getrunkenen Liter Rotweins: er liegt unter 3 Euro. Damit ein solcher Wert berhaupt zustande kommen kann, müssen Heerscharen von unerschrockenen Weintrinkern ständig Stoff konsumieren, der noch deutlich unter diesem Durchschnittspreis am Markt erhälich ist. Da sie dies in der festen Überzeugung tun, dass es sich dabei um Wein handelt, muss sie verteidigt werden.

    In den Argumentationen kommt immer zu kurz, dass hier Menschen am Werk sind, die ein Recht haben, für Ihre Arbeit angemessen, d.h. anstänig entlohnt zu werden. Das ist etwas anderes als Liter- oder Fasspreise, die auf dem Markt (auf Krampf, subventioniert, Traubenschwemme) gerade noch durchgedrückt werden können. Mindestens 2,- bis 2,50 Euro werden für 1 Kg Barolotrauben bezahlt, bei Brunello geht es auch deutlich über 3 Euro. In der Champagne werden die Traubenpreise jedes Jahr festgelegt: Unter 6 Euro pro Kilo geht gar nichts und in der Schweiz sind für 1 Kilo Trauben aus guten Lagen 6 bis 10 Euro fällig. Dazu kommen die Kosten für Ausbau, Lagerung, Abfüllung, Flasche, Korken, Versand und Mehrwertsteuer. Wenn Ertragsbegrenzung, Handarbeit und Steillagen mitspielen, sind Preise unter 5 Euro gar nicht möglich. Und dann erst geht es um die Frage, was denn ein „guter“ Wein ist. Und darber kann man bekanntlich solange diskutieren, wie es unterschiedliche Geschmäcker gibt. Was kostet ein gutes Auto? Um von A nach B zu kommen, braucht man weder einen Ferrari noch einen Maybach. Deshalb soll jeder trinken, was ihm schmeckt. Das geht auch, ohne den Trabbi aus China, bei dem Kinderarbeit und Umweltbelastung Pate gestanden haben, mit Inbrunst schön zu reden.

  3. Eckhard Supp sagt:

    Alles schön und gut, Christian, und die Rechnung mit den Barolo-Brunello-Trauben, den Steillagen und der Handarbeit kennen wir ja alle zur Genüge. Aber zu behaupten, nur im Maybach, nicht aber im Golf könne man von „Erlebnis“, nicht nur von Wirkung sprechen, nur wer Barolo und Brunello trinke und nicht vielleicht einen guten Südafrikaner oder Chilenen, könne Wein genießen, offenbart eine Weltsicht, die mich in einer Zeit, in der selbst die einst mit Champagner gurgelnden Finanzzocker wieder zu Leitungswasser und zur Zahncreme ohne Goldperlchen zurückgekehrt sind, wirklich merkwürdig berührt.

  4. Mario Scheuermann sagt:

    Sorry lieber Chritstian Wenger,
    aber die Traubenpreise von drei in vielen Fällen masslos überteuerten Luxusgetränken wie Barolo, Champagner und Brunello als Referenze für guten Wein zu nehmen, empfinde ich mit Verlaub als ziemlich arrogant. Die Mehrzahl der Winzer auzf dieser Welt muss weit unterhalb dieser Preise ein gutes Auskommen finden und findet es auch inkl. Urlaub, Auto und Studium für die Kinder.
    Gruss Mario Scheuermann

  5. Iris sagt:

    Die Mehrzahl der Winzer im Languedoc-Roussillon bekommt aktuell für ihre Trauben gerade mal 45 bis maxi 60 Cents, für AOCs kann das bis 80 Cents pro Liter gehen. Weinbauern, die ihre realen Zahlen, was Produktionskosten und Bezahlung selbst durch rührige Kooperativen angeht, transparent machen, findet man zwar wenig, ein Blick auf den Blog meines Kollegen aus dem Roussillon erlaubt da erstaunliche Einblicke:

    http://cecicela.typepad.com/vigneron_blog/

    Weine, wie sie bei in den letzten Woche viel zitierten Vermarktern in Deutschland für unter 5 Euro pro Flasche angeboten werden, stammen aus der Vrac Produktion (d.h., man findet sie in Frankreich gar nicht im Flaschenangebot und werden höchstens für Endverbraucher ab Gut im BIB zu 2,70€/L angeboten) – wenn damit immer noch Gewinn gemacht werden kann, muss die Produktionsmenge entsprechend hoch sein.

    Man sollte dabei vor allem nicht vergessen, dass es sich hier um Anbaugebiete handelt, bei denen ein einigermassen korrektes garantiertes Lohnniveau in der Landwirtschaft existiert – was vermutlich in Chile oder Südafrika nicht gerade der Fall ist (der französische Mindestlohn SMIC liegt bei 8,35€ pro Stunde, der Arbeitgeber zahlt also mindestens 15 € incl. Sozialversicherungsbeiträge für eine solche Stunde).

    Dass aus dieser Gegend die meisten Anträge für die endgültige Rodung von Anbauflächen stammt (und eben leider nicht nur aus den flachen Schlemmlandebenen der Massenproduktion nahe der Küste), ist da nicht zu verwundern….

  6. Eckhard Supp sagt:

    Zitat: „Weine, wie sie bei in den letzten Woche viel zitierten Vermarktern in Deutschland für unter 5 Euro pro Flasche angeboten werden, stammen aus der Vrac Produktion (d.h., man findet sie in Frankreich gar nicht im Flaschenangebot…)“

    Verstehe ich dass jetzt richtig, dass in Frankreich keine Weine für weniger als 5 Euro in der Flasche angeboten, sondern nur im Fass nach Deutschland exportiert werden?

    Ein kurzer Blick ins Internet, und ich finde in einer halben Minute beispielsweise:

    Vdp de Gascogne La chesnaie 2007
    2.70 €
    Fraicheur, perlant et fruits acidules, pour un vin idéal d’apéritif.
    *** (Bewertung durch http://www.sommelier.over-blog.com)

    oder

    CHATEAU LES HAUTS DE MASSONNE – 2007
    Bordeaux Blanc Sec
    3.85 €
    und
    CHATEAU PONTET-BEL AIR – 2007
    Bordeaux Blanc Sec
    4.40 €
    (beide auf http://www.bordeauxwineweb.com)

    Soweit ich sehe, wird das alles in der Normalflasche angeboten. Vielleicht, liebe Frau Rutz-Rudel, sollten Sie auch die Preise in französischen Supermärkten und im Internet berücksichtigen, um auf dem Boden der Tatsachen zu bleiben.

    Ich würde vorschlagen, das Thema „Gibt es gute Weine unter 5 Euro?“ von der Diskussion über zu niedrigen Weinpreise im Languedoc (die, die da seit Jahrzehnten am lautesten schreien, spielen das Spiel schon seit Jahrzehnten mit) oder von der über die Ausbeutung in chilenischen Weinbergen (kambodschanischen Fabriken, indischen Softwarefirmen, afrikanischen Erdnussplantagen…) zu trennen.

    Allerdings verstehe ich auch bei den von Heinz Behrens zitierten Weinen Einiges nicht. Der Palacio de Mercado 2003 Crianza beispielsweise wird bei http://www.quelle.de für 12,80 Euro, nicht für 4,95 Euro angeboten:

    Meevio „“Palacio de Mercado“" Crianza, DO 12.80 €*
    Die Ribera del Duero ist die Königin unter Spaniens Weinregionen. Entdecken Sie mit dem ‚Palacio de Mercado’ …

    und bei genauem Hinschauen entdecke ich auch bei meevio.de, dass es sich bei den 4,95 Euro keineswegs, wie der Händler vielleicht gerne glauben machen möchte, um den normalen Preis handelt, sondern um ein Schnäppchen-(Köder-)Angebot:

    Palacio de Mercado
    „Palacio de Mercado“ Crianza,DO 4,95 € (-61%)12,80 €Inhalt: 750 ml – 6,60 €/……

    Der Corbières Ambassade dagegen, von dem Mario Scheuermann spricht, wird tatsächlich für 4,95 Euro angeboten.

  7. Mario Scheuermann sagt:

    @Eckhard Supp
    Ich habe bei der Präsentation im Poletto aus Zeitmangel leider nicht alle Weine probiert, sondern nur die fünf, die ich für meine aktuellen Notizen gebraucht habe. Die Rindchen-Weine aber, die ich vorher probiert und im Drink Tank beschrieben habe waren all regulär unte fünf Euro und keine Aktionsweine zumindest in dem depot, in dem ich sie ausgesucht habe.
    @Iris
    Ich glaube nicht, dass es sich bei den Südfranzosen im Rindchen-Sortiment um Vrac-Weine handelt. Das sind reguläre Flaschen-Füllungen.

  8. Iris sagt:

    Ich habe weder gesagt, dass es in Frankreich (und das aus allen Regionen) keine Weine unter 5 oder oft sogar 3 € gibt – da der Durchschnittseinkauf des Durchschnittsverbrauchers auch hierzulande zwischen 2 und 3 € Flasche liegt, wäre das dumm von mir und ein Blick in die Supermarktregale belehrt eines besseren.

    Ich habe lediglich versucht, die in den Verkostungsnotizen besprochenen Weine im Internet innerhalb Frankreichs zu lokalisieren, um sie eventuell selber mal zu probieren – und dabei festgestellt, dass diese Flaschen oder zumindest diese Etiketten da nicht zu finden waren. Inhaltlich vermutlich identischen Wein eines der genannten Güter fand ich eben nur als BIB zu 27€/10L Endverbraucherpreis auf der Webseite eines der genannten Erzeuger.

    Aber natürlich kenne ich auch die Händlerpreise für bereits abgefüllte Flaschen meiner Region auf internationalen Weinmessen, kein Problem, da unter 2 €/Fl. einzukaufen – also bleibt auch da eine korrekte Spanne für den Händler, selbst wenn er das Segment unter 5 € bedient.

    Ihr Argument mit den 10 DM (33 FF) kann ich teilweise nachvollziehen. Das war sicher vor Einführung des Euro eine Schmerzengrenze für viele Käufer – wenn ich mich richtig erinnere habe ich damals aber auch für mein Baguette keine 80 Cents sondern nur die Hälfte bezahlt …

    Die von mir genannten Durchschnittsmarktpreise für Weine aus dem Languedoc-Roussillon stammen aus den letzten Monat veröffentlichen offiziellen Statistiken des Observatoires du Marché du Vrac (quelle: La vigne, la revue du monde viticole, Nov. 2008).

  9. Heinz Behrens sagt:

    Die Degustation der Weine unter € 5,– fand bei Rindchen statt – also waren die Preise dort für mich ausschlaggebend und nicht Angebote bei quelle.de (selbst wenn Arcandor wohl am Meevio-Versand beteiligt ist). Auf der Website von meevio.de finden Sie besagten Palacio de Mercado für € 4,95. Offenbar als Schnäppchen mit 61 % Rabatt! Wer heutzutage einen Stadt- oder Schaufensterbummel unternimmt, wird jede Menge Schnäppchenangebote finden, bei Textilien, Schuhen, Accessoires etc. Und jetzt halt auch bei Weinen. Wen wundert’s, denn viele Keller sind voll. Kleine Anmerkung: es gibt auch bei Grand Crus erhebliche Preisunterschiede – genaues Hinsehen und Abwägen lohnt sich auch dort.

    Und noch eine kurze Bemerkung zu Preisgrenzen oder -kategorien. Unterschiedliche Qualitäten gibt es auf jedem Niveau, und warum sollte man Mitmenschen mit begrenztem Budget nicht Hinweise geben auf vergleichsweise gute Qualitäten in der von ihnen gesuchten Preisklasse?

    Noch ein zugegeben etwas hinkender Vergleich: auch beim „Dorfclub“ Hoffenheim kann man zu günstigeren Preisen als in der Bayern-Arena verdammt guten Fußball erleben … David gegen Goliath, das waren schon immer spannende Vergleiche! Und mancher scheinbare Goliath ist dabei auf der Strecke geblieben.

  10. Eckhard Supp sagt:

    Hallo Heinz Behrens,

    guter Vergleich, der mit dem TSG (nicht Schäfer-Gümbel, sondern der Fußballclub)!

    Im Grund sind wir ja einer Meinung und schlagen in dieselbe Kerbe. Und ich habe auch gar nichts dagegen, dass Sie den Wein von Rindchen zitiert haben. Vielleicht wussten Sie ja zu diesem Zeitpunkt nicht einmal, dass der Wein im Normalpreis zweieinhalb Mal teurer war!

    Ich bleibe allerdings bei meiner Meinung, dass es unfair ist, in dieser Diskussion eine „Beweisführung“ mithilfe von (zeitlich begrenzten???) Aktions- und Lockvogelpreisen antreten zu wollen. Aber das kann sicher jeder machen, wie er will.

    Natürlich ist es jedem unbenommen, auch einen Château Pétrus für 10 Euro anzubieten. Aber trotzdem wird niemand diesen Château Pétrus dann in einer solchen Diskussion als Beispiel für 10-Euro-Weine anführen…. ich hoffe es jedenfalls nicht.

    Eckhard Supp

  11. Heinz Behrens sagt:

    Lieber Ecki Supp,

    natürlich erfuhr ich bei besagter Probe, dass es sich beim Palacio de Mercado um einen herabgesetzten Preis handelt, um einen Aktionspreis. € 4,95 für einen Crianza aus dem Duero machte das à priori deutlich. Wichtig war mir daher – sonst hätte ich den gar nicht erst zitiert – dass es sich dabei eben nicht um ein Lockangebot für ein zwei Tage handelte sondern um einen für einen längeren Zeitraum reduzierten Preis (vielleicht ja bis zum Ausverkauf, wer weiß?)

    Was war der Grund für eine solche Aktion? War der Wein kurz vor dem Abnippeln? Nein, das bewies die Probe – er schnitt meines Wissens als bester in dieser Preiskategorie ab. Man hatte offenbar gut eingekauft, vielleicht weil auf der anderen Seite Lagerdruck herrschte – oder Liquiditätsdruck? Nun gibt man diesen Vorteil an den Endverbraucher weiter. Das wird uns in den kommenden Monaten des öfteren begegnen, denn ich rechne mit einer zumindest vorübergehenden Deflation als Folge der Finanzkrise.

    Wenn Ihnen, wo auch immer, ein Pétrus für 10 Euro über den Weg läuft, bitte melden. Falls der noch trinkbar ist, würde sogar ich zuschlagen. Immerhin besser als Ebbelwoi – kleine Sottise am Rande: denn in Hessen nennt man den neuen SPD-Spitzenkandidaten TSG vielerorts lieber „Schäfer-Bembel“ …

  12. Eckhard Supp sagt:

    Hallo Herr Behrens,

    Schäfer-Bembel finde ich gut, das passt zum Humor, den der Mann offenbar – entgegen allen Erwartungen – an den Tag legt. Vielleicht ist es ja Galgenhumor, wer weiß.

    Aber ich bleibe bei meiner Kritik, umso mehr, als ich jetzt in einer Pressemitteilung von Rindchen wieder den Satz lese: „Auf dem Tisch standen über 20 Weine mit einem regulären Endverbraucherpreis bis maximal € 4,95 pro Flasche.“

    Wie auch immer man es nennen will – Aktion, Lockvogelangebot, Sonderangebot, Dauerrabatt, dauerhaft günstiger Preis (dem Erfindungsreichtum in punkt Sophismen sind keine Grenzen gesetzt, wie wir wissen) -, es ist und bleibt eine Tatsache, dass es sich um einen gegenüber dem Normalpreis herabgesetzten Preis handelt. Das geht aus der von mir zitierten Rindchen-Werbung selbst hervor, in der stolz auch noch die Einsparnis von 61 % gegenüber dem ursprünglichen Preis von 12,80 EUR angegeben wird.

    Oder hat der Wein vielleicht nie 12,80 EUR gekostet? Dann wäre dies allerdings ein Fall für die Gewerbeaufsicht, denn, soviel ich weiß, darf nicht mit einem Rabatt geworben werden, der in Wirklichkeit keiner ist.

    Ich mag nichts vom Weinhandel verstehen, aber der deutschen Sprache bin ich trotz der vielen Weingläser, die ich in der Vergangenheit geleert habe, noch mächtig. Und ich lasse mir auch unter der mysteriösen Anrede „Ecki“ (wer soll das sein?) nicht einreden, dass ein um 61 % reduzierter Preis der „Normalpreis“ oder der „reguläre Preis“ sei.

    Das Weinhändler gelegentlich recht „tricky“ sein können, ist mir nichts Neues, aber wir müssen das hier nicht noch schönreden, finde ich!

  13. Heinz Behrens sagt:

    Sehr geehrter, lieber Herr Dr. Supp,

    wir kommen ja beide aus der Medienbranche – darum möchte ich zunächst Voltaire zu Wort kommen lassen, der gesagt hat: „Mein Herr, ich teile Ihre Meinung nicht, aber ich würde mein Leben dafür einsetzen, dass Sie sie äußern dürfen.“ Blogs sind für mich Stätten des öffentlichen Meinungsaustausches – missionieren möchte ich mit meinen Äußerungen niemanden. Der frühere Stuttgarter Oberbürgermeister Manfred Rommel sieht das ähnlich: „Jeder hat das Recht auf seine eigene Meinung, aber er hat kein Recht darauf, dass andere sie teilen.“ Ich nehme an, so weit gehen wir konform.

    Im Gegensatz zu Ihnen habe ich mich in meinem bisherigen Berufsleben aber mehr mit Marketing beschäftigt und weiß daher, dass auch Preisstellungen legitime Faktoren im Marketing-Mix sind: Produkt-, Preis-, Distributions- und Kommunikationspolitik. Darum an dieser Stelle noch ein weiteresZitat, von Michael Silverstein, Unternehmensberater bei Boston Consult: „Vom Kunden her denken, seine Unzufriedenheit analysieren und darauf antworten. Die meisten Leute wollen gar keine abgedrehten Produktfeatures, sondern Qualität für wenig Geld.“ Genau das haben Händler früher erkannt als so mancher Produzent.

    Bleiben wir noch einen Moment auf der Kundenseite – nach der Umstellung von der DM auf den EURO haben Normalverdiener zwar nicht weniger Geld im Portemonnaie, aber weniger Kaufkraft. Sie müssen genauer hinschauen, und dieser Trend wird sich in absehbarer Zukunft noch verstärken.

    Kurzer Szenenwechsel: Die Automobilindustrie klagt über einen rasanten Einbruch ihrer Abverkäufe – zehntausende von PKWs stehen derzeit unverkauft auf extra angemieteten Parkflächen. Mal angenommen, BMW würde, um sich Liquidität zu verschaffen, seinen 3er BMW zum Preis eines VW Golf auf den Markt werfen – würden Sie dann BMW Manipulation, Täuschung, ja „Betrug“ vorwerfen? Die (auch zeitweilige) Änderung der Preisstellung ist eine legitime Strategie in der Marktbearbeitung – und wäre vom Kunden her gedacht. Siehe oben!

    Damit ist aus meiner Sicht bei diesem Thema nun alles gesagt. Ich bin nicht der Öffentlichkeitsarbeiter der Weinhändler Rindchen und/oder meevio, aber, um mit Friedrich Hebbel zu sprechen, ich zähle mich auch nicht zu „den Leuten, die in jeder Suppe ein Haar finden, weil sie, wenn sie davor sitzen, so lange den Kopf schütteln, bis eins hineinfällt.“

    Von dieser Diskussion möchte ich mich damit endgültig verabschieden. Vielleicht aber ein Vorschlag: man könnte ja eine Diskussion darüber starten, wie faire und vernünftige Preise für gute Weine aussehen müssten. Aus Sicht der Weinmacher, des Handels und der Verbraucher. Was halten Sie davon? Und wer wirft seinen Hut als erster in diesen Ring?

  14. Paul sagt:

    Liebe Weinfreunde, amüsiert verfolge ich eure Preisdiskussion hier vom Kap der Guten Hoffnung. Fünf Euro, das sind beim gegenwärtigen Umrechnungskurs etwas mehr als 65 SA Rand und das reicht hierzulande gut und gern für eine sehr ordentliche Flasche Wein, weiße und sogar manche rote, im Retailverkauf. Aber da sie ja alle südafrikanische Weine kennen und – wie ich von einigen weiß – auch Besucher unseres Weinlandes sind, weil ich außerdem derzeit jeden Tag die anwachsenden Touristenströme sehe, die Weinorte wie Franschhoek oder Stellenbosch, sowie einzelne Weingüter besuchen, mache ich mir keine Sorgen um den Weinabsatz vom Kap. Übrigens: Weine vom Gut Meerlust – und die gehören wirklich zu unseren besten Tropfen – werden ab ca. zehn Euro verkauft. Morgen, am 16. Dezember, einem nationalen Feiertag, wird der Besitzer Hannes Myburgh wieder mehr als einhundert Gäste und alle seine Mitarbeiter von der Farm zum Weihnachtsfest bewirten – mit allen Weinen und verschiedenen Jahrgängen von Meerlust. Frohe Weihnachten und viele Grüße vom Kap,
    Paul M. Schumacher

  15. Eckhard Supp sagt:

    Habe jetzt drei der „Siegerweine“ aus Rindchens Verkostung zum Probieren erhalten und die erste Flasche gestern abend aufgemacht. Ehrlich gesagt, fand ich das eine ziemlich aufdringlich marmeladige Angelegenheit. Wenn das schon ein „Siegerwein“ war, wie müssen dann erst die anderen geschmeckt haben. ….

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