Vinum am Ende? – Verkaufsgerüchte in Umlauf

 

Von Eckhard Supp – Wenige Tage nur ist es her, da habe ich hier… über die Krise bei den Printmedien, insbesondere im Genuss-Segment, berichtet und geschrieben: „Dasselbe (ihnen könnte die Luft ausgehen, E. S.) gilt für die noch verbliebenen drei oder vier Weinzeitschriften (v. a. Vinum, Weinwelt, Wein Gourmet), die seit vier oder fünf Jahren allesamt recht kontinuierlich Leser verlieren, so dass man sich bei einigen von ihnen – wohlgemerkt, ich spreche von den “Publikums”titeln, nicht von den Fachblättchen - schon fragen muss, ob überhaupt noch jemand außer Winzern und Weinhändlern sie liest. Wenn ihnen das Anzeigengeschäft in den kommenden Monaten substanziell wegbricht, werden wohl nur eine oder zwei überleben.“

Meine Vermutung hat sich offenbar schneller bewahrheitet als ich ahnen konnte. Wie Mario Scheuermann in seinem drinktank heute schreibt, soll der Münsteraner Landwirtschaftsverlag den Verkauf des Traditionstitels bereits beschlossen haben und Akquirenten suchen. Das Gerücht wurde mir in mehreren Telefonaten in fast alle Ecken der Republik bestätigt und scheint nur aufgrund der Feiertage und Ferien über den Jahreswechsel erst jetzt den Weg in eine breitere Öffentlichkeit geschafft zu haben.

Dass Vinum bereits seit dem Aufkauf durch den Landwirtschaftsverlag (Korrektur 15.1.: Bertelsmann hatte Alles über Wein aufgekauft und dann an Vinum weitergereicht) marode war, darauf habe ich in den letzten Jahren mehrfach hingewiesen (z. B. hier… ), und mehrfach angeboten, über mögliche Synergien zwischen Print- und Onlinetiteln zu diskutieren. Ohne Erfolg! Wie sich jetzt zeigt, war die Verbohrtheit bei den Verantwortlichen so groß, dass sie sich nicht einmal selbst die eigene Konzeptionslosigkeit eingestehen wollten – sie zogen es offenbar vor, unterzugehen anstatt zu verhandeln.

Das alles schreibe ich natürlich unter dem Vorbehalt, dass die zirkulierenden Gerüchte über den Verkauf wirklich zutreffen.

Wer als Käufer infrage käme, ist mehr als unklar. Kolportiert wird - auch das gerüchtehalber -, dass sich der Neustadter Meininger Verlag bereits in der Vergangenheit für den Titel (oder nur die Marke?) interessiert haben soll, und auch von der Online-Publikation wein-plus.de erzählt man sich, dass sie in der jüngeren Vergangenheit mit Vinum kooperieren wollte. Unklar ist auch, ob ein solcher Aufkauf unter dem Vorzeichen stünde, die Publikation weiterzuführen oder schlichtweg, einen Konkurrenten aus dem Weg zu schaffen. Dass Letzteres ein riskantes Unterfangen wäre, hat bereits der Aufkauf von Alles über Wein durch Vinum selbst gezeigt – er nützte nicht dem Käufer, sondern anderen Mitkonkurrenten, und auch das nur kurzfristig.

Wer auch immer Vinum kauft, sollte ein überzeugendes Gesamtkonzept für den Genussbereich im Print- wie im Onlinesektor vorlegen. Das legt schon die aktuelle Krise im Anzeigengeschäft nahe, unter der Special-Interest-Titel natürlich genaus so leiden wie die großen Publikumszeitschriften.


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