Golftour mit Verkostungen – Weinmarketing und Ethik

 

Von Paul M. Schumacher – Weinschreiber – wer wüßte das nicht, lieber Gastgeber Eckhard Supp – sind ein verwöhntes Völkchen. Wenn man ihnen etwas ‚verkauft‘, das wissen die Fachleute, dann ist das besser als jede bezahlte Reklame. Die Profis von WOSA (Wines of South Africa), der offiziellen Exportorganisation Südafrikas, die immerhin  rund dreieinhalb Millionen Rand vom Staat bekommen (berichtet Business  Report), sind da keine Ausnahme, obwohl sie gerne betonen, dass sie erheblich weniger Steuergelder erhalten, als ihre Kollegen in Chile oder Australien. Da muss es sie geschmerzt haben, daß einer ihrer bevorzugten ‚Kunden‘, der populäre Weinschreiber Neil Pendock, dessen Artikel jede Woche in der größten Zeitung der Landes, der Johannesburger Sunday Times, veröffentlicht werden, Peinliches enthüllte.

Zwei britische Kollegen, schrieb der – vielleicht sogar etwas neidisch – seien Ende letzten Jahres als WOSA-Gäste am Kap gewesen; man habe ihnen wohl zeigen wollen, so die süffisante Schilderung, „dass Golf und Trauben gute Partner sind”. Bei „der Golftour mit einigen Verkostungen“ spielten sie gegen namhafte Persönlichkeiten der Weinbranche, so Johan Bestbier von ‚Kleine Zalze‘, Ken Forrester vom gleichnamigen Weingut, Mike Ratcliffe von ‚Warwick‘ – er ist auch WOSA Direktor – und Niels Verburg von ‚Luddite‘.

Wie sehr in Südafrika Geld und Wein zusammengehören, merkt man auch daran, daß vier internationale Größen des Sports, Gary Player, Ernie Els, Retief Goosen und Daviod Frost Wein unter eigenen Labels vermarkten.  Die lästerliche Schlußfolgerung von Pendock:  „Zumindest die Marken Frost und Els machen Geld, was nur bestätigt, dass Alkohol und Restaurants einen gewissen Trost bieten, auch wenn das Golfspiel schlecht ist“.

Zugegeben: Als Journalist und Nebenerwerbs-Weinfarmer des Bolands, der auch Anfang nächsten Monats – hoffentlich – wieder die 50 Tonnen Marke erreichen wird, sind solche Schilderungen aus der großen, weiten Weinwelt ein bisschen irritierend. Seit drei Jahren bekommen wir einen Preis pro Tonne – in meinem Fall für Merlot und Pinotage erster Qualität – der die Kosten nicht mehr deckt. „Südafrika hat ein Problem mit dem Marketing“,  sagen uns die zuständigen Herren von der Winzergenossenschaft in Villiersdorp. Nicht eben tröstlich, wenn die Kosten für Spritzmittel gerade nach oben schießen, weil wiederholte Regenfälle zur falschen Zeit – in den Monaten Dezember und Januar – eine Mehltau-Plage auslösten. Gleichzeitig hielt uns die Unkrautkontrolle auf Trab.

Aber vielleicht sollten die Schilderungen der Weinschreiber unsereins ja trösten, denn schließlich hat auch Villiersdorp einen wunderschönen Neun-Loch Golfplatz, direkt am Wasser des Theewaterskloof-Dammes (so heißt er wirklich!) gelegen, und wer weiß schon,  wer dort demnächst zum Abspiel kommt.

5 Antworten zu „Golftour mit Verkostungen – Weinmarketing und Ethik“

  1. Eckhard Supp sagt:

    Paul,

    solche Praktiken sind natürlich nicht auf Südafrika beschränkt. Hier in Deutschland hat der Kollege Jens Priewe in seinem Blog gerade ganz fröhlich und ohne falsche Scham berichtet, was er von Weinvermarktern alles zu Weihnachten bekam. Lohnt sich zu lesen, und sei’s nur, um neidisch zu werden, wie Du so schön schreibst.

    Es soll mir keiner erzählen, man könne diese weihnachtliche Geschenkflut nicht stoppen. Ich habe es bis auf zwei Dutzend Weihnachtskarten geschafft, und sei’s nur mithilfe von Wohnungswechseln und von der Post zurückgeschickten Pakete.

    Natürlich ist es aus der Sicht des kleinen Haupt- oder Nebenerwerbswinzern besonders schwer nachzuvollziehen, wieso ein Journalist, der den südafrikanischen Wein kennenlernen und darüber schreiben soll, seine Zeit auf Golfplätzen verbringen muss. Auch ich nehme oft an Einladungsreisen von Weinbauverbänden teil. Das braucht man gar nicht zu beschönigen! Denn die Umsätze unserer Online-Medien erlauben mir leider nicht einmal die weite Reise von Hamburg-Niendorf nach Blankenese, um die dortigen Weinberge zu besichtigen.

    Aber ich pflege diese Reisen so mit Arbeit voll zu packen, dass für’s Golfspielen bestimmt keine Zeit mehr bleibt. Davon können gerade die Südafrikaner ein Lied singen, und schließlich blieb bei meiner letzten Reise ans Kap nicht mal Zeit, zu Euch raus zu fahren. Schade! Übrigens ist so ein Trip auch trotz Einladung noch teuer genug: Da ich aus Südafrika „live“ berichtet habe – mit mehrfachen täglichen Uploads von Text und Graphik -, wollte mein Provider 1.200 EUR Verbindungskosten haben (ein bißchen hab ich runterhandeln können).

  2. Mario Scheuermann sagt:

    Also mich hat noch keiner zum Golfen eingeladen. Warum auch? Ich mach mir nichts aus aktivem Sport. Andererseits hat die WOSA für mich eine sehr aufwendige Reise organisiert und finanziert, deren Ziel es war ganz bewusst Gebiete und Betriebe ausserhalb der gängigen Routen zu erforschen bis tief in die Swaartberge in die kleine Karoo, an der Rand der grossen Karoo bis zum Elephantsrivier etc. etc.. Ok, wir mussten Tausende von Kilometer und mehr als ein Dutzend der längsten Pässe in zwei Wochen fahren. War sehr anstregend, hat aber Spass gemacht und es war sehr lehrreich, aber auch sehr speziell.

    Die hier angesprochene Reise hatte offenbar einen ganz anderen Ansatz, nämlich den des Lifestyles. Und wenn eine Organisation wie die WOSA ihre Arbeit richtig macht, dann muss sie auf verschiedenen Hochzeiten tanzen und mehrere PR-Ansätze verfolgen. So weit ich weiss gehört diese Reise wie auch die kürzliche Einladung für US-Weinblogger zu einem PR-Programm das zum Ziel hat Südafrika in den angelsächischen Ländern als Lifestyle-Destination zur Fusball WM zu promoten. Das geht in erster Linie vom Tourismus Board aus. Wein ist dabei nur eine Facette von mehreren.

    Sport und Wein sind kein Gegensatz. Das denken nur hierzulande immer noch einige. Bei besagten SA-Reise habe ich so nebenbei meine Liebe zum Rugby entdeckt und seither so manche gute Flasche Wein zu einer TV-Übertragung dieser Sportart geleert.

  3. Jan Schmidtborn sagt:

    Hallo Herr Schumacher,

    ich bin hier in Suedafrika ebenfalls ueber den erwaehnten Artikel gestolpert. Meine persoenliche Meinung zu Golf und Wein ist die, dass Golf eine Ergaenzung zum Wein sein kann… Genauso wie andere Sportarten wie z.B. Segeln, Reiten, Polo…

    Wenn Journalisten und/oder Weinhaendler eingeladen werden eine Runde Golf zu spielen und diese sich die Zeit dazu nehmen, dann sehe ich da direkt kein Problem insofern, als dass auch Konsumenten teilweise diese Kombination nutzen… Jeder nach seinem persoenlichem Gusto.

    Um Weine erfolgreich zu vermarkten, sollte meiner Meinung nach eine Zielgruppe definiert werden, zu der eine Verbindung zu dem Wein hergestellt werden soll. dabei kann man die Aktivitaeten natuerlich nicht nur im sportlichen Bereich fokussieren, sondern in vielen anderen Bereichen ebenfalls:

    Wein und Speisen ist meines Erachtens der Klassiker. Wenn Journalisten (respektive Weinhaendler) zu aufwendigen Essen eingeladen werden gilt dies als selbstverstaendlich. Andere Vermarktungmoeglichkeiten, die mir spontan einfallen sind im kulturellen Bereich und im Modesektor.

    Zu Golf abschliessend noch mal im Speziellen: Golfer sind meiner Meinung nach eine schwierige Zielgruppe. Hier in Suedafrika ist Golf ein Breitensport, der vom Gabelstaplerfahrer bis zum Chef ausgeuebt wird. In Europa ist dieser Sport (noch) tendentiell eher der oberen (Mittel)schicht vorbehalten.

    Meine Grossmutter sagte schon, dass man „von den Armen das Kochen lernen kann und von den Reichen das Sparen“. Jemand der also Golf spielt kauft noch lange keine (teure) Flasche Wein aus dem entsprechenden Land. Und dass ist auch gut so!

    In diesem Sinne beste Gruesse von Kleine Zalze

    Jan Schmidtborn

  4. Petra Mayer sagt:

    Tja Lustreisen sind natürlich in der Weinszene nicht gerade unbeliebt, schließlich und schlußendlich wollen wir ja auch den Konsumenten erreichen und ihm Freude und Spaß am Wein vermitteln. In der einschlägigen Marketingliteratur machen uns die großen Gurus auch immer wieder klar „branding means connecting emotionally with people“. Da haben die Südafrikaner eigentlich Glück – sie haben einiges zu bieten, was den Leserinteressen entspricht, wie z.B. Golf, schöne Restaurants und einladende Gästehäuser.

    Also nutzen wir (WOSA, Südafrika Weininformation) doch diese Chance eines „erlebnisorientierten Weinmarketings“ und sind, bes. als Südafrikaner stolz darauf, dass wir „authentische“ Geschichten anzubieten haben und spielen diesen Vorteil aus, vor allem im Bereich „Special Interest, Lifestyle & Co“. Die vielfach diskutierte Entwicklung der Auflagenzahlen in den Weinfachmedien fordert doch grade ein Umdenken. Und wenn wir (Winzer, PR’ler, etc.) uns nicht auf die Interessen der Publikumsmedien einstellen, wie sollen wir denn sonst die Konsumenten erreichen?

    Dass eine generische Weinwerbung, wie z.B. die WOSA, immer wieder von ihren Mitgliedern unter Beschuß gerät, daran gewöhnt man sich mit der Zeit, warum soll es uns da anders gehen als unseren internationalen Kollegen. Manchmal erinnern mich diese Diskussionen an die leidigen Grabenkämpfe in der Gastronomie zwischen Service und Küche… Dabei geht es nur miteinander und es braucht natürlich den konstruktiven Dialog von beiden Seiten.

    Nun ist in der Tat nicht einfach für eine solche Organisation es allen recht zu machen und gerade deshalb bietet die WOSA auch ein breites Programm an Events, Messen und Marktinformationen an, die den Mitgliedern zur Verfügung stehen und jeder hat, je nach Entwicklungsgrad, die Chance von den Leistungen der WOSA zu profitieren. Im übrigen werden die Journalistenprogramme auf die Wünsche der Reisenden abgestimmt. Ich persönlich glaube auch nicht, dass Südafrika (WOSA) in der Position ist, einem Pressevertreter ein Programm vorzuschreiben, was zwar die „politischen“ Bedürfnisse der Mitglieder befriedigt, sich jedoch nicht mit den Interessen des Medienvertreters bzw. dessen Leser deckt.
    Beste Grüße aus der Südafrika Weininformation /WOSA Germany

  5. Ronny Nonsil sagt:

    Und es gäbe noch so viele Themen, die noch nicht gebloggt wurden.

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