Weinmedien – Print und Online besser verzahnen!

 

Von Heinz H. Behrens – Verehrte WorldWine Blogger! Allen Verlagsmanagern ist klar: Die Print-Auflagen (und Umsätze!) befinden sich im Sinkflug – die Online Nutzung nimmt dagegen zu. Wie aber damit umgehen? Eine neue Studie „Zeitungen Online 2008“ hat untersucht, wie die 100 auflagenstärksten deutschen Tageszeitungen in ihren Webseiten auf das neue Mediennutzungsverhalten reagieren und wie sie Print und Online verzahnen. Ein Ergebnis: 82 Prozent setzen auf Videos und immer weniger auf Chats und Foren. Mehr dazu finden Sie unter meedia.de.

Der Abo- und Leserschwund betrifft natürlich auch und gerade die sog. „Special-Specialinterest-Zeitschriften“, also geringauflagige Zielgruppenblätter, die, wie Insider gern spötteln, sich an „rechtsrheinisch radelnde Pfarrerstöchter“ richten. Ob dazu Wein-Fachzeitschriften für Endverbraucher gehören, wage ich nicht zu beurteilen. Dafür spricht, dass solche Zielgruppenblätter besonders hart gegen die Kostenlawine zu kämpfen haben (Papier, Post-Zeitungsdienst etc.) und darum immer teurer werden – vieles spricht aber auch dagegen. Etwa der Altersdurchschnitt der Leser: Weintrinker stammen bekanntermaßen nicht gerade aus sehr jungen Zielgruppen (die online-affiner sind) sondern gehören eher zu den einkommensstärkeren älteren Personengruppen. Und die haben noch keine große Abneigung gegen Papier entwickelt und müssen auch nicht unbedingt am Medienbudget sparen.

Nun aber zu den Wein-Websites: Die sind ja auch nicht immer benutzerfreundlich (Navigation), nur selten kommunikativ (also auf feed-back eingestellt) und – Achtung! – oft nicht neutral in ihrer Berichterstattung, weil ihre Macher nicht selten auch als PR-Agenten unterwegs sind. Das ist bei Print (schon durch das Presserecht) noch immer deutlich besser geregelt (Trennung von Redaktion und Anzeigen). Prüfen Sie das mal auf Websites übrigens jeglicher Couleur!?

Und noch etwas: als ich über diesen Beitrag nachdachte, hatte ich die neueste Ausgabe von Vinum auf dem Schoß und ein Glas Wein neben mir. Das wäre mit meinem Laptop deutlich unbequemer gewesen. Merke: Wein hat auch etwas mit Genuss und Entspannung zu tun. Online ist unschlagbar in Sachen Information – für Inspiration sorgt aber der haptische Spaß des Blätterns in einer gut gemachten Zeitschrift. Wie wär’s also, wenn man auch in Sachen Wein On- und Offline besser verzahnen würde?!

10 Antworten zu „Weinmedien – Print und Online besser verzahnen!“

  1. Eckhard Supp sagt:

    Lieber Heinz Behrens,

    Genau so ist es! Nur einen kleinen Haken hat Ihre Aufforderung am Schluss: Zum „Verzahnen“ von Print- und Onlinemedien bräuchte es zwei, die miteinander reden. Nun muss ich Ihnen bestimmt nicht zu erzählen, wie oft ich den Printmedien in den letzten drei oder vier Jahren – in vielen Gesprächen und öffentlich, in meinen Editorials auf ENO WorldWine – genau dieses Gesprächsangebot gemacht habe.

    Die aber saßen die ganze Zeit auf einem so hohen Ross, dass sie nicht einmal eine müde Antwort auf diese Angebote hervorbrachten. Wo aber kein Gesprächspartner, da auch kein Gespräch – ganz gleich, ob sie von „Verzahnung“, vom Wetter oder von der hohen Politik reden.

    Natürlich gilt mein Angebot auch heute noch, aber ich habe wenig Hoffnung, dass die Printmedien auf Ihren Aufruf stärker reagieren als auf meine.

    Dennoch hätte ich einen Vorschlag an Sie, der doch über hervorragende Kontakte in die Printwelt verfügt: Warum überzeugen Sie nicht einen guten Verlag, eine Zeitschrift wie Vinum (wenn es denn stimmt, dass verkauft werden soll) zu kaufen und dann mit uns Onlinern ein herrliches Cross-Media-Projekt daraus zu basteln. Ich wäre sofort dabei!

    Eine kleine Bemerkung sei mir am Ende noch gestattet: Wer unterstellt, dass unter den Onlinern einige „nicht selten auch als PR-Agenten unterwegs“ seien, der sollte doch – bitte schön! – Ross und Reiter nennen! Sonst fällt eine solche Aussage unter die Rubrik „unqualifizierte Diffamierung“…. und das wollen wir doch auf dem WorldWine Blog nicht, oder?

  2. Thomas Günther sagt:

    „Nun aber zu den Wein-Websites: Die sind ja auch nicht immer benutzerfreundlich (Navigation), nur selten kommunikativ (also auf feed-back eingestellt) und – Achtung! – oft nicht neutral in ihrer Berichterstattung, weil ihre Macher nicht selten auch als PR-Agenten unterwegs sind.“

    Vieles trifft auf meine Zustimmung. Den zitierten Textteil finde ich allerdings etwas problematisch. Sicher, über benutzerfreundliche Navigation kann man sich streiten. Und die Navigation ist allemal anders als bei Printmedien. Was das Feedback anbelangt, so würde ich das vollkommen verwerfen. In vielen Weinblogs kann man kommentieren, Emails an den Autor senden, und Trackbacks durch Zitat auf einem eigenen Blog senden (viele Weinblogs haben die Trackback-Funktion auch aktiv). Mehr Feedbackmöglichkeiten kann ich mir nur schwer vorstellen.

    Was die Neutralität anbelangt: Internetmedien unterliegen genauso dem Presserecht! Das heißt Werbung muss genauso gekennzeichnet werden. Das tun auch viele Weinblogger. Das Einfallstor PR ist auch bei Print vorhanden. Im Online-Bereich ist das jedoch sehr unterschiedlich vorhanden. Da werden z.B. Blogger kurzerhand zu „Medienpartnern“. Wo sie jedoch Recht haben, ist dass die theoretische Struktur von Weinzeitschriften – insbesondere die Trennung von Redaktion und Herausgerber (Verlag) – das erkaufen von Artikeln verhindern soll. Praktisch gibt es aber einige Beobachtungen, die dazu im Widerspruch stehen.

  3. Mario Scheuermann sagt:

    Sehr gehetrer Herr Behrens,
    Ihre Bemerkung „Wein-Websites ….sind .. oft nicht neutral in ihrer Berichterstattung, weil ihre Macher nicht selten auch als PR-Agenten unterwegs sind. Das ist bei Print (schon durch das Presserecht) noch immer deutlich besser geregelt (Trennung von Redaktion und Anzeigen).“ zeugt von einer völligen Unkenntnis der Praxis. Bei sehr vielen Special-Interest-Zeitschriften – nicht nur beim Wein – ist die Verzahnung von Anzeigen und Redaktion extrem dicht und intensiv. Vieles geht ohne Anzeigen garnicht, manches geht überhaupt nur wegen Anzeigen. Nicht weniges ist schlicht und ergreifend bezahlte Redaktion, die nicht oder ungenügend als Werbung gekennzeichnet wird. Ihre Behauptung die macher von Online-Seiten seien als PR-Agenten unterwegs halte ich für eine ziemlich unverschämte Unterstellung. Ich kenne nun wirklich beide Seiten aus bald 30jähriger Arbeit und muss sagen: das kann man so einfach und pauschal wirklich nicht sagen. So gesehen kann ich ihren ganzen Beitrag nicht ernst nehmen.

    Was die von Ihnen geforderte Verzahnung betrifft, habe auch ich – ähnlich wie der Kollege Suppe – einige Versuche und Anläufe in diese Richtung hinter mir. Im Gegensatz zu Tages- und Wochenzeitungen mit denen ich teilweise seit langem erfolgreiche kooperiere, war das mit den meisten Weinzeitschriften auf Grund von totaler Ignoranz und kenntnislosigkeit nicht möglich. Einzige Ausnahme der österreichische Falstaff. Das liegt aber vor allem an der Freundschaft mit dem Chefredakteur. Demnächst werde ich wohl mit einem kleinen Fachtitel wieder eine Kooperation eingehen. Ansätze in diese Richtung gitb es also, aber sie sind spärlich. Nicht wegen mangelnder bereitschaft der Onliner sondern wegen mangeln der Einsichr der Printer .

  4. Eckhard Supp sagt:

    …. protestiere heftigst gegen den „Kollegen Suppe“ :-)

  5. Heinz H. Behrens sagt:

    Lieber Herr Dr. Supp,

    Sie haben ja recht: viele Verlage im Fachschriftenbereich sind nicht bereit, z.B. mit Onlinern zu kooperieren, obwohl sie sich damit in eine »Win-Win-Situation« bringen könnten. Auch kleinere Medien werden lernen müssen, dass crossmedial vernetzte Kommunikation effektiver – sprich wirksamer – und damit am Ende auch effizienter – sprich preiswerter – sein kann. Print und Online können sich in vielerlei Hinsicht ergänzen: aktuelle Entwicklungen den Abonnenten von Monatsblättern zwischendurch übermitteln und damit die Leser-Blattbindung festigen; Kommunikation ermöglichen (spannendes Frage- und Antwortspiel wie bei Ihnen und nicht Müll wie in manchen Zeitungs-Blogs oder Chats); neue Zielgruppen erschließen, etwa jüngere, online-affinere Konsumenten u.a.m.

    Bleiben wir einen Moment bei letzterem Thema: Wein-Websites kommen ja nicht gerade cool und jugendlich-locker daher, viele geben sich bierernst (pardon!) und, aus Sicht junger Leute, eher altväterlich. Werden wir mal konkret: Weinverstand muss man sich im Lauf der Jahre antrinken – auch ich habe in den 60er Jahren mit Tütenwein aus dem Roussillon angefangen. Wenn Sie einem Newcomer gleich einen großen Bordeaux anbieten, kann er damit oft nichts anfangen. Er erkennt den Wert einfach nicht, mangels Erfahrung. Dennoch gibt es Widerstand, wenn auf Wein-Websites über trinkbare Weine bis 5 € diskutiert wird. Das ist für diese Zielgruppe sicher interessanter als Mutmaßungen über Hardy Rodenstocks Etiketten. Einfach mal selbstkritisch drüber nachdenken. Sie haben da ja vieles anzubieten, an Weinwissen, Lexika etc. Was noch etwas zu kurz kommt ist der Spaß an dem Thema. Und eine klare Zuwendung zu den Weinliebhabern von morgen. Dazu gäbe es manches anzumerken.

    Lieber Herr Günther,

    nur ein Wort dazu: Beiträge selbst auf professionell gemachten Websites sind sehr oft versteckt persuasiver – sprich überredender – als in vergleichbaren Printmedien. Und wenn Sie nun behaupten, das Presserecht gelte für alle Internetmedien, dann müssten dort reihenweise Sites aus dem Netz entfernt werden. Das liegt einfach daran, dass natürlich auch jede Menge Amateure unterwegs sind, die jeden Mist behaupten und verbreiten können. Und genau das schränkt die Glaubwürdigkeit der Internetkommunikation leider generell ein – worunter auch professionell gemachte Sites leiden müssen. Auch da könnte eine crossmediale Vernetzung mit einem etablierten Printmedium als Image-Transfer nützlich sein.

    Lieber Herr Scheuermann,

    mir nach knapp 40jähriger Medien- und Kommunikationsarbeit völlige Unkenntnis der Praxis zu unterstellen, na ja. Wollen Sie wirklich bestreiten, dass es Betreiber von professionellen Websites gibt, die auch als PR-Agenten, Messe-Mitveranstalter oder oder oder unterwegs sind und für bzw. über ihre Kunden – ich bin da mal vorsichtig – in ihrem Medium auch »Redaktionelles« veröffentlichen? So etwas hat in den letzten Jahren leider auch bei Print um sich gegriffen, da liegen Sie richtig – nur werden dort die Dinge wenigstens als Advertorials, Sonderveröffentlichungen, Promotions oder wie auch immer oft leider verschämt gekennzeichnet. Aber immerhin gekennzeichnet! Denn die Konkurrenz schläft dort nicht und greift offensichtlichen Missbrauch rigoros auf. Wäre auch für professionelle Internetmedien zur Nachahmung empfohlen, denn zu viel Kommerzialisierung geht stets zu Lasten von Glaubwürdigkeit. Wir alle sollten da von den sog. »Bankberatern« gelernt haben … die haben viel Glaubwürdigkeit verloren, weil sie als sog. Bank- oder Kundenberater zuallererst die Interessen ihrer Institute und dann erst die ihrer Kunden vertreten haben. Such is life!

  6. Michael Pleitgen sagt:

    Print und Online können sehr gut zusammengehen. Auch beim Wein! Am besten, wenn sie die Stärken beider Welten ausspielen: hier Hintergrund, Meinung und Kommentar für gemütliche Lese-Abende (da klappts dann auch mit dem Rotweinglas!), dort aktuelle, kurze und knappe Information. Das eine macht Lust aufs andere: der Leser geht online und der Onliner kauft sich eine Zeitung! Beispiel: http://www.decanter.com/

    Der lesende Mensch oder der Mensch als User sucht immer nach Angeboten, die für ihn einen Nutzen bringen (gemütlicher Leseabend mit dem Glas Wein in der Hand oder schnelles Up-date). Welchen Nutzen bringe ich dem Leser / User? Die Frage muss bei erfolgreichen Projekten am Anfang stehen. In Deutschland scheint das leider noch niemand so richtig begriffen zu haben. Deshalb gehen so viele Print-Titel „den Bach runter“ oder sind Blogger ob ihrer Zugriffszahlen gefrustet.

  7. Eckhard Supp sagt:

    Irgendwie sind wir uns alle ziemlich weitgehend einig, habe ich das Gefühl. Fehlt nur noch jemand, der in der Lage ist, den Verantwortlichen der Printmedien in den Hintern zu treten, um sie aufzuwecken.

    Lieber Herr Behrens,

    Sie heben auf die Schwächen unsere Onlinemedien ab. Völlig richtig, wobei ich glaube, dass all das, was Sie einfordern, irgendwo auch schon existiert. Die eigentliche Schwäche, die dahintersteckt, ist die, dass die Online-Anbieter viel zu eigenbrötlerisch, jeder auf seinem eigenen Ozeandampfer, vor sich hinwurschteln. So kommt keiner über die kritische Schwelle, bei der das Anzeigengeschäft überhaupt interessant wird.

    Mein Aufruf geht deshalb nicht nur an die Printer, sondern auch an meine Kollegen aus den virtuellen Welten: Zusammenarbeiten, zusammnenschließen, gemeinsam stärker werden!

    Mal sehn ob’s jemand hört!

  8. pivu sagt:

    Das ist wirklich ein heißes Thema, über das ich mir hier letzte Woche ganz ähnliche Gedanken gemacht hab’. Nur müssten halt beide Seiten ihre Throne verlassen, auch mal „Amateure“, Kritisch- und Anders-Denkende akzeptieren und aufeinander zugehen. Diesbezüglich besteht auch bei (semi-)professionellen Onlinern Nachholbedarf.

  9. Eckhard Supp sagt:

    Ich meine das mit der Kooperation durchaus Ernst und schlage eine Konferenz der Onliner über Kooperationsmöglichkeiten vor, gern auch verbunden mit einer kleinen Verkostung (bei mir stehen die Flaschen des Etikettenwettbewerbs).

    Ort: Hamburg (die Kosten für die, die anreisen müssen, können wir teilen).
    Zeit: 2. Februar-Woche.
    Thema: Mit- statt gegeneinander – Kooperation oder Fusion?
    Ausloten der Interessen, Ausloten der Möglichkeiten und vielleicht auch mehr. Wer mitmachen will, soll sich bei mir melden.

  10. Thomas Günther sagt:

    @ Heinz H. Behrens:

    oder auch

    Lieber Herr Behrenz,
    was das Presserecht angeht, so gilt es auch online. Ob die Realitäten dem immer entsprechen, ist bestimmt etwas anderes. Und das fängt schon bei einem rechsgültigem Impressum an. Wo ich Ihnen auch zustimmen kann, ist dass Online-Medien – insbesondere Blogs – anders auf den Leser wirken als Zeitschriften.

    Jedoch noch zu der Geschichte mit dem PR. Es scheint mir doch so zu sein, dass es PR schon wesentlich länger gibt als das Internet. In der Zeit, in der mein Blog leserstärker wurde, wurde dies auch zunehmend ein Problem für mich als Autor. Ich habe mich dazu entschieden, dies häufiger mal zu thematisieren, da dies nun wirklich auch sehr befreiend von falschen Erwartungen ist:
    http://weinverkostungen.de/vorbereitungen-fur-die-prowein-2009/
    http://weinverkostungen.de/zweite-webweinprobe-von-pieroth/

    Gerade die zweite Geschichte zeigt doch, dass viele PR-Leute gar nicht verstanden haben, wie man die relativ offenen Strukturen im Internet für seine Zecke nutzen kann. Denn dazu gehört eben auch ein kritischer Umgang mit dem Produkt. Den Vorteil des Agenda-Settings hätte man jedoch. Und gerade Zuspitzungen und Auseinandersetzungen sind doch wesentlich spannender, als wenn sich alle einer Meinung sind.

    Noch zu dem Punkt, dass man im Netz behaupten kann, was man will. Das ist nicht ganz so. Einige Abmahnwellen haben da eher zur Frage geführt, was man denn überhaupt noch schreiben darf. Und das ist auch der Grund, wieso ich – ganz Druckfrisch – nicht über eine Weinzeitschrift öffentlich schreibe (Ausgabe Feb./März 2009) mit einem Wein des Monats auf dem Titel, 3 seitigem Bericht dazu und auf Seite 79 eine ganzseitige Werbung des Weinguts, aus dem der Wein stammt. Den Zusammenhang kann man sicherlich nicht endgültig beweisen. In meinem Blog gibt es jedoch keinerlei erkaufter Inhalt.

    @ Herr Supp:
    Bei solchen Sachen bin ich gerne dabei. Ich hab ja grundsätzlich nichts gegen Printjournalisten.

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