Was macht eigentlich …. das Burgund?

 

Von Eckhard Supp – Vor einigen Wochen habe ich an dieser Stelle den Rückzug des australischen Weinmarketings vom deutschen Markt kritisiert, aber Australien ist bei weitem nicht das einzige Land bzw. die einzige Region, die in Deutschland vollständig von der Bildfläche verschwunden sind. Auch das Burgund, die Heimat der schönsten Weine aus Chardonnay und Pinot noir, hat sich hierzulande schon vor längerer Zeit verabschiedet.

Bereits vor Jahren, als Deutschland noch der mengenmäßig (!) wichtigste Abnehmer der Weine von Côte d’Or, Chablis, Auxerrois, Côte Chalonnaise oder Mâconnais war, beschloss das BIVB (Bureau Interprofessionnel des Vins de Bourgogne), seine Marketingbudgets für Deutschland ersatzlos zu streichen. Innerhalb weniger Jahre führte das zu Absatzverlusten in der Größenordnung von fast einem Drittel der verkauften Mengen.

Jetzt hat das Burgund gerade ein generell desaströses Jahr hinter sich: Der Export der französischen Prestigeregion brach in den ersten 10 Monaten 2008 um sage und schreibe 12,7 % (wertmäßig um 9 %) ein, wobei vor allem die bisherigen Parademärkte, die USA und Großbritannien, sogar um gut 20 % absackten. Da 2007 ein sehr gutes Exportjahr gewesen war, knabbern die Burgunder zwar noch immer nicht am Hungertuch, aber da nicht zu erwarten ist, dass die nächsten Monate eine massive Trendumkehr auf den Weinmärkten mit sich bringen werden, könnten die Verluste auch noch massiver werden.

Und was haben die Burgunder daraus gelernt? Nix! Null komma nix! Ein Beispiel: Unser Etikettenwettbewerb, zu dem fast alle, die in der Weinwelt zählen, zumindest eine kleine Zahl Weine angestellt haben. Bordeaux ist dabei, die Rhône ist dabei, die Loire ist dabei, von Italien, Portugal, Deutschland, Österreich, Spanien etc. ganz zu schweigen. Und das Burgund? Null! Nicht ein einziges Etikett, nicht eine einzige Flasche aus dem Burgund wurden geschickt.

Noch ein Beispiel! Wir haben gegen Ende des Jahres das bereits erwähnte BIVB angeschrieben und um Mithilfe bei der Beschaffung der Muster für ein geplantes Burgundertasting gebeten. Die Reaktion? Nix! Null komma nix! Nicht einmal einer Antwort waren wir den Verantwortlichen würdig. Im Vergleich mit Bordeaux, wo uns gleich zwei Winzerverbände (Crus Bourgeois, Union des Grands Crus) behilflich waren, im Vergleich mit Ribera del Duero, wo man innerhalb weniger Tage für fast 150 Muster sorgte, im Vergleich mit der Toskana und dem Piemont, wo die großen Verkostungszyklen inzwischen zu den festen Terminen des Weinkritikerjahres gehören, macht das Burgund hier erneut eine mehr als klägliche Figur. Von der Arroganz und Unhöflichkeit ganz zu schweigen, auf unsere verschiedenen Anfragen nicht einmal zu reagieren. Und sei es mit einer Absage!

Unser Fazit: Wer so offensichtlich sein Marketing-ABC nicht gelernt hat und nicht einmal die „courtoisie“ aufbringt, die in der zivilisierten Welt zum Standardrepertoire jedes Erwachsenen gehören sollte, braucht sich nicht zu wundern, wenn er in absehbarer Zeit auf allen Märkten dieser Welt marginalisiert wird. In den USA und in Großbritannien sind die Burgunder ja schon auf dem besten Wege dahin.

Ein Nachtrag: Wir werden unser Burgundertasting natürlich dennoch durchführen und die Erzeuger von uns aus direkt anschreiben. Mal sehen, wer mitmacht!

7 Antworten zu „Was macht eigentlich …. das Burgund?“

  1. Heiner Pohl sagt:

    Ja ja Burgund ist die alte Diva, die nur mehr über die jungen Schönen schimpft und nicht mehr außer Haus geht und von der guten alten Zeit zehrt.
    Aber ein verdammit gutes Parfüm, Eleganz und Finesse hat sie immer noch die Diva. Davon könnten viele junge Schönheit lernen…

  2. Eckhard Supp sagt:

    …“verdammt gutes Parfüml, Eleganz und Finesse…..“

    Das ist ja genau der Grund, warum wir uns damit beschäftigen wollten.

    Wenn die Burgunder so weiter machen, werden wir allesamt bald nicht mehr in den Genuss dieser Eigenschaften kommen. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche!

  3. Bernd Klingenbrunn sagt:

    Sehr geehrter Herr Supp,

    ihren „Frust“ kann ich nachvollziehen, dennoch sind, was die Verkaufszahlen in unserem Laden in Frankfurt angeht, die Burgunder keineswegs eingebrochen, im Gegenteil. Das mag aber auch sicher daran liegen, dass wir uns eher um unbekannte Namen kümmern, Winzer, die am deutschen Markt eher unbekannt sind, die unserer Meinung aber eben jene Qualität bieten, die wir für preiswürdig halten. Und genau diese Winzer, meist Einzelkämpfer/Innen unterstützen wir. Sie sind es wert, durch engagierte Händler und auch Journalisten bekannt gemacht zu werden. Gerne möchten wir Ihr Tasting „flüssig“ unterstützen, melden Sie sich einfach, wir sind dabei! Grüße aus Frankfurt, Bernd Klingenbrunn, K&M Gutsweine

  4. Bernd Klingenbrunn sagt:

    Kleiner Nachtrag: Glückwunsch zum Erfolg Ihres Blogs!

  5. Volker Georg sagt:

    Im Juni letzten Jahres bin ich mit Freunden auch im Burgund gewesen. Seit ca. 20 Jahren fahre ich regelmäßig in die Champagne und ins Chablis. In beiden Regionen sind wir bei den Winzern sehr nett und zuvorkommend empfangen worden. Fast so wie im Piemont, das wir auch so lange bereisen. Dann sind wir in den Kern des Burgunds gefahren nach Vosne Romanee. Hier hatten wir einige Erlebnisse der „Dritten Art“. Termine die fest ausgemacht waren wurden nicht eingehalten, auf nachfrage dann neue Termine bekommen die auch nicht eingehalten wurden. Oft wurden wir sehr unfreundlich abgewiesen, Nach dem Motto, seid froh das ihr hier sein dürft. Bei einigen allerdings wurden wir sehr freundlich empfangen, und bekamen sogar die „Grand Vins“ bis hin zum Richbourg zu probieren. Vielleicht ist es gut wenn die Weinwelt dem Burgund mal eine Lektion in Form von Umsatzrückgang erteilt, man erinnert sich dann vielleicht wieder an den Kunden. Momentan bin ich mir eher als Bittsteller vorgekommen.
    Gruß Volker Georg

  6. Helge Hagener sagt:

    Das kann nur zwei Gründe haben: Arroganz oder Dummheit. Ich denke, im Burgund ist beides am Werk. Vielleicht denken zu viele Leute in zu wichtigen Positionen: wenn die Domaine de la Romanée-Conti jedes Jahr komplett ausverkauft ist, und das mit Leichtigkeit und mit hohen Preisen, kann es um den Burgunder-Wein nicht schlecht stehen. Falsch gedacht!

    Auch das aktuelle Beispiel Australien zeigt, wie schnell es gehen kann. Wer Australien trinkt, weil es Australien ist, der bleibt natürlich dabei. Aber wer Australien trinkt, weil es „Neue Welt“ ist, der trinkt mittlerweile Südafrika. Und am Kap weiß man immerhin, wo der Hase im Marketing lang läuft.

    Und auch in der Vergangenheit haben viele viele Weinregionen gezeigt, was passiert, wenn man nicht am Puls der Zeit bleibt und etwas für sein Renommee macht. Aus vielen Köpfen ist Burgund (leider) verschwunden – und das bei so schönen Weinen.

  7. Patrick sagt:

    In den letzten Jahren gab es einfach zu viele neue boomende Märkte für das Burgund. Weshalb sollte man da auf den etablierten / alten Märkten noch mehr Marketing betreiben. Vor 5 Jahren kam ein Exportleiter eines großen Burgundischen Hauses zu uns und erzählte, wie die Deutschen mittlerweile Ihre eigenen Burgunder hoch einschätzen. Der Absatz in Deutschland sei stark eingebrochen, doch der Absatz etwas weiter östlich boome so stark, so dass man nicht klagen dürfe.

    Jetzt, mit den derzeitigen weltweiten Turbulenzen, stellt sich mir ebenfalls die Frage: „Haben die es immer noch nicht nötig?“

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