Aufrecht in den Untergang – Wein-Gourmet am Ende!

 

Von Eckhard Supp – Nach der Meldung über einen möglichen Verkauf von Vinum erreicht uns jetzt die nächste Hiobsbotschaft aus dem Reich der Printmedien: Der Feinschmecker Wein-Gourmet, die vierteljährlich erscheinende „Schwester“ der Zeitschrift Feinschmecker, wird – nur neun Jahre nach seiner Gründung – eingestellt. Das meldete heute um 12:58 der Branchendienst Meedia unter Berufung auf Informationen aus dem Verlag.

Als aktuellen Grund führt Meedia vor allem das im letzten Jahr stark rückläufige Anzeigengeschäft an, das die Zeitschrift wohl in den letzten Jahren noch über Wasser gehalten hat. Tatsache ist, dass die „harte“ verkaufte Auflage (Abonnement und Einzelverkauf, ohne Berücksichtigung der Sonderverkäufe, Bordexemplare, Freistücke etc.) schon seit Jahren schwächelte. Nach einem ersten Höhenflug in den  Jahren 2002 und 2003 (im ersten Quartal der beiden Jahre lag sie über 30.000 Exemplare) sank sie schon 2005 auf nur noch 16.350 Exemplare, „berappelte“ sich aber zwischenzeitlich noch einmal bis auf 23.000 Hefte, um dann 2007 und 2008 die endgültige Talfahrt anzutreten, die ihre letztlich das Genick brach. 16.900 Hefte wurden im 1. Quartal 2008 noch verkauft, 16.400 im dritten.

Das Problem des Wein-Gourmet war sicher einerseits seine sehr elitäre Ausrichtung, unter der bekanntermaßen ja auch der Feinschmecker leidet, andererseits aber auch die kontinuierliche Weigerung von Verlagsleitung und Verleger, das Internet als Gefahr wahrzunehmen und mit ihm zu kooperieren. Mit ENO WorldWine habe ich noch vor nicht allzu langer Zeit ein solches Kooperationsangebot gemacht und musste mir eine Antwort abholen, in der davon die Rede war, der Verlag habe leider eine andere strategische Ausrichtung gewählt – was auch immer das heißen sollte.

Offenbar hieß die Strategie schon damals nur noch: „Zusperren!“. Es ist, nach Alles über Wein, der zweite herbe Verlust für die Weinbranche und vor allem für große Schar freiberuflich arbeitender Journalisten, die sich mit der Arbeit für diese Titel ihren Lebensunterhalt verdienten (ich gehöre zum Glück nicht dazu!). Zu befürchten ist, dass die Weinzeitschriften jetzt dasselbe Schicksal erleiden wie der Weinbuch-Markt Ende der 1990er-Jahre, als die rasch aufeinanderfolgende Einstellungen von Buchreihen aus Verlagen wie Mosaik, Falken etc. das gesamte Weinbuch-Segment in den Abgrund rissen. Wo kein Segment mehr ist, da haben es auch die überlebenden Einzeltitel schwerer, auf sich aufmerksam zu machen - und das gilt vor allem im Einzelverkauf am Kiosk.

2 Antworten zu „Aufrecht in den Untergang – Wein-Gourmet am Ende!“

  1. Helge Hagener sagt:

    Trotz allem empfinde ich es als überaus schade, dass die Weinzeitschriften vom Markt verschwinden. Auch wenn ich viel das Internet verwende, um mich über Wein zu informieren, habe ich es immer wieder genossen, in aller Ruhe auf der Coach in meinen Weinzeitschriften zu blättern – auch wenn mir dazu oft der passende Inhalt gefehlt hat.

  2. Thorsten Wiessner sagt:

    Ich finde es auch schade, auch wenn ich mich (fast) nur noch im Internet herumtreibe. Das Magazin war sehr hochwertig, die Fotos und Berichte waren gut. Und es ist eben nach wie vor toll, etwas Papier in der Hand zu haben. Aber wenn ich wissen will, was in der Weinwelt so läuft, schaue ich in Blogs wie diesem hier nach…

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