Mit Cola schmeckt der Riesling toll – sagt der Weinmacher!

 

Von Eckhard Supp – Ich lese gerade auf  dem Blog von Dirk Würtz, „einige Weinexperten“ hätten seine Empfehlung vom Twitter-Tasting auf der Hannoveraner Cebit (s. hier… ), Cola in den Riesling zu schütten „überhaupt nicht lustig“ gefunden. „Denen kann ich nur zurufen: Nehmt das doch alles nicht so bierweinernst. Es geht auch um den Spaß …“, schließt der Weinmacher aus Rheinhessen an und zieht das traurige Fazit: „Einer meinte gar, dass er absolut nicht verstehen könne, wie ein Weinmacher die Leute dazu auffordern kann Cola in seinen Wein zu schütten. Was soll ich dazu sagen? Am Besten nichts!“ Nun, wer die Diskussion auf Twitter verfolgt hat, muss nicht lange rätseln, wer die „einigen Weinexperten“  und der „Eine“ waren. Ich selbst war damit gemeint.

Ich glaube nicht, dass mich sehr viele, die mich zumindest ein wenig kennen, als übermäßig humorlosen Gesellen wahrnehmen, auch wenn das Dirk Würtz anzunehmen scheint. Er kennt mich übrigens (fast) nicht, sei am Rande vermerkt. Aber darum geht es gar nicht. Viel eher geht es darum, dass Würtz offenbar mit Kritik nichts anfangen kann. Er setzt sich mit ihr nicht auseinander – das ist wohl unter der Würde eines „berühmten“ Weinmachers -, sondern holt einfach ein wunderbares, fast schon klassisches  Totschlagargument aus dem Sack: Der Gegenüber versteht einfach keinen Spass! Und basta! Und mehr sagen wir nicht dazu!

Nun ist es ja durchaus nicht so, dass Dirk Würtz nur anlässlich des Twitter-Tastings auf der Cebit “im Spaß“ seine Cola-Wein-Empfehlung gegeben hätte. Schon im letzten Sommer durfte man auf seinem Blog lesen: „Was ist das mit Abstand beliebteste Getränk hier in unserer Region? Wein! Genau. Aber nicht einfach pur, sondern als Schoppen, genaugenommen als Cola-Schoppen. Ein 0,4l Glas jeweils zur Hälfte mit Weisswein und Cola gefüllt. Das ist es, was die Leute trinken wollen. Den meisten Weinliebhabern gruselt es vor einem derartigen Getränk. Wie kann man nur den edlen Rebensaft mit Imperialistenbrause mischen??? Zucker pur, ph-Wert 2,5, quasi ein Anschlag! Mal ganz ehrlich: Alles Quatsch! Ich liebe Cola-Schoppen! Insbesondere im Sommer! Noch ein Eiswürfel dazu und eine Scheibe Zitrone und fertig ist das perfekte Erfrischungsgetränk. Geht aber nur mit einem guten Riesling! „

Ich habe diese rheinhessische Tradition in meiner Jugend selbst erleben dürfen. Damals hieß das allerdings nicht Colaschoppen und wurde nicht aus Riesling und Cola gemischt, sondern es hieß „Cola rot“, bestand je zur Hälfte aus Rotwein und Cola, und war in den Diskotheken rund um Worms das beliebteste Besäufnisgetränk aller Jugendlichen. Mit dem regelmäßigen Erfolg, dass man besser um punkt Mitternacht die Szene verließ, da man sonst Gefahr lief, abgeschlagene Flaschen ins Gesicht oder Stuhlbeine über den Kopf zu bekommen.

Und gerade hier liegt für mich die Problematik, wenn einer „aus Spass“ solche Koma-Drinks propagiert. Da müht sich sich Weinwelt nach allen Kräften, der Öffentlichkeit und dem Gesetzgeber klar zu machen, dass Wein ein Kulturgetränk ist und sich nur schwer zum „Komasaufen“ eignet. Und dann kommt ein Winzer daher und empfiehlt ein Getränk mit immer noch 6-7 Vol % Alkohol (das liegt ein Drittel bis die Hälfte höher als der Alkoholgehalt von Bier) als „perfektes Erfrischungsgetränk“ im Sommer. Nein, es tut mir leid, da verstehe ich wirklich keinen Spaß mehr! Das ist für mich Anstiftung zum Saufen, sonst nichts!

Ob die Würtz’schen Weine das „Versüßen“ mit Cola geschmacklich brauchen, vermag ich nicht zu sagen, weil ich sie nicht kenne. Ich weiß auch nicht, ob der Würtz’sche Absatz so schleppend läuft, dass er seine Flaschen auf diese Weise „an den Mann (oder die Frau)“ bringen muss. Im Kontext der aktuellen Debatte um Alkohol- und Alkoholwerbeverbote halte ich die Position von Dirk Würtz aber für, höflich gesagt, unglaublich kontraproduktiv: Sie ist Wasser auf die Mühlen von Sabine Bätzing und Co. Danke, Herr Würtz, Sie haben Ihrer eigenen Branche einen tollen Bärendienst erwiesen.

7 Antworten zu „Mit Cola schmeckt der Riesling toll – sagt der Weinmacher!“

  1. Claudia Bernhardt sagt:

    Ich glaube, ein kleines bisschen Differenziertheit schadet bei der(in jeder gesellschaftlichen Diskussion wichtigen!) kritischen Beleuchtung eines jeden Themas nicht. Von meiner Seite daher folgende Anmerkungen:

    Jedes Essen, jedes Getränk, jeden (!) Wein, jede Mischung kann man mögen oder nicht. Aber wenn man zu öffentlicher Kritik greift, sollte man a) bei den Tatsachen bleiben, b)nicht Äpfel mit Birnen vergleichen und c)versuchen, den sicher bestehenden eigenen Anspruch an Professionalität auch wenigstens in Annäherung zu erfüllen.

  2. Dirk Würtz sagt:

    Hallo Herr Supp,

    natürlich verstehe ich Ihr Argument bezüglich des „Komasaufens“. Die Süße der Cola verdeckt nun einmal den Alkohol und verleitet sicher dazu einen, oder zwei Schoppen zuviel zu trinken. Darüber kann man diskutieren, auch mit mir, gar keine Frage. Das ich ein „Totschlagargument“ benutzt habe, kann ich nach unserem Gespräch aus Ihrer Sicht auch nachvollziehen, allerdings waren Sie nicht alleine gemeint. Und natürlich habe ich dieses „Totschlagargument“ ganz gezielt als Stilmittel eingesetzt. Damit sind wir bei der Sache wenig auseinander. Nicht zusammen sind wir allerdings mit dem doch sehr polemischen und persönlichen Stil Ihres Beitrages. Das wäre auch ein wenig anders gegangen. Da ich das aber als konstruktive Kritik verstehe, wenngleich auch sehr polemisch verpackt, komme ich damit gut zurecht. Danke übrigens für das Attribut „berühmt“. Das war mir bisher nicht so klar -kleine Polemikretourkutsche :-)
    Gruss aus Rheinhessen

    Dirk Würtz

    P.S. Cola mit Rotwein mag ich persönlich überhaupt nicht!

  3. hande sagt:

    Hmm, schön, dass Ihr Euch wieder vertragen habt. Ich persönlich mag solche Misch-Getränke erstens einfach vom Geschmack her nicht… und zweitens finde ich es auch als Weinliebhaberin wirklich schade, einem guten Wein sowas „anzutun“. Und finde es auch befremdlich, wenn ein Winzer mit den eigenen Weinen so was empfiehlt – für mich ist das sowas wie „hier, ich habe hier ein wunderbares, aromatisches, zartes Fischgericht zubereitet, ihr könnt gerne eine halbe Flaschen Ketchup darauf schütten“ – das was ich da gemacht habe, kann ruhig vergewaltigt werden. Für den Getränk, wie oben beschrieben, braucht man sicherlich nicht einen „guten Riesling“. Aber genau das wird das Problem sein, was wir unterschiedliches unter guter Riesling verstehen.

  4. Dirk Würtz sagt:

    Und schon sind wir Top-Thema bei Rivva. Das hat doch was ;-)

  5. david sagt:

    Naja, ich mag sehr Cola und glaube mit Cola schmeckt alles gut, nicht nur Riesling. Ich kann es nur empfehlen.

  6. Joachim Kroll sagt:

    Ich erinnere mcih noch daran, wie meine Ex-Frau (das war ein Grund für das „Ex“) anfing, meinen Rotwein mit Cola-Light zu panschen, da sie den trockenen so nicht mochte… Ich dachte, ich werde nicht mehr.

    Ich habe es dann aber selbst mal probiert, allerdings nicht meinen teuren sondern günstigen Rotwein mit Cola zu mischen… na ja, das ist schon irgendwie erfrischend und lecker….

    Ich erinnere mich aber auch noch an den Widerstand der deutschen Bierbrauer, als der Markt für europäisches Bier, das nicht nach dem Reinheitsgebot gebraut wird, geöffnet werden sollte/musste.
    Und das Ende vom Lied? Die „unsauberen“ Biere haben keinen Marktanteil und die deutschen Brauereien „panschen“ selbst: alkoholfrei, light, Diät, mit Cola, Radler/Alster, mit Guarana, mit Grapefruit usw. usw.

    Vielleicht sind die Wein-Mischgetränke gerade der Weg, der zukunftsträchtig ist….

  7. Florian sagt:

    „Ich erinnere mcih noch daran, wie meine Ex-Frau (das war ein Grund für das “Ex”) anfing, meinen Rotwein mit Cola-Light zu panschen, da sie den trockenen so nicht mochte… Ich dachte, ich werde nicht mehr.“

    Hahah Wirklich? Was für eine Frau… Alleine leben ist am besten!

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