Von Eckhard Supp – Jahrelang entlockte man Erzeugern aus den wichtigsten Weinbauländern der Welt – Ausnahmen wie Südafrika oder Österreich bestätigen die Regel – nur ein müdes Gähnen, wenn man ihnen erklärte, sie müssten auf dem deutschen Markt aktiver werden, wenn sie nicht dauerhaft Positionen verlieren wollten.
Die stereotype Anwort, die man bei solchen Gesprächen meist erhielt, war, dass die USA, Großbritannien oder auch China und die asiatischen Märkte weit interessanter, vielversprechender und dynamischer seien. Nun, was von Risikomärkten wie den asiatischen zu halten ist, hat der Rabobank-Analyst Arend Heijbroek unserem Blogger-Roundtable ja bereits in klaren Worten dargelegt. Nun kommen in jüngerer Zeit aber auch aus den Bullenmärkten USA und Großbritannien klare Zeichen, dass auf ihnen nicht mehr nur eitel Sonnenschein herrscht.
Dort sind nämlich besonders die höherpreisigen Segmente, die von den Erzeugern in Italien, Frankreich, Australien oder der USA gern als Totschlagargument „gegen“ den deutschen Markt ins Feld geführt wurden, stark unter Druck geraten. In Großbritannien hat die größte Weinhandelskette von ihren Lieferanten kürzlich dramatische Preisnachlässe gefordert und in den USA verzeichnet der Markt derzeit eine rapide Änderung des Konsumverhaltens nach dem Motto: Weg von den teuren, hin zu den preisgünstigeren Weinen.
Ob diese Tendenzen von Dauer sind oder sich mit einer eventuellen Erholung der Weltkonjunktur wieder umkehren lassen, sei einmal dahingestellt. Eines jedoch ist schon jetzt klar: Es sind Traditionsmärkte wie der deutsche, auf dem Wein eben nicht nur (!) ein Lifestyle- und Boomprodukt ist, sondern Teil der Alltagskultur, die in Zeiten der Krise (Absatz-)Stabilität versprechen.
Wer sich anschaut, mit welcher Zuvorkommenheit deutsche Journalisten seit kurzem selbst in den Renommier-Châteaux des Bordelais behandelt werden, wer notiert, dass die ProWein trotz der Krise gerade wieder einmal Rekord-Besucherzahlen verkünden konnte, wer weiß, dass der deutsche Weinkonsum seit vielen Jahren langsam aber stetig am wachsen ist, der wird sich ausmalen können, wie sehr sich die Herrschaften aus dem Burgund, aus Australien, teilweise auch aus Italien und anderen Ländern, die im letzten Jahrzehnt glaubten, der deutsche Markt sei ihrer Gnade und ihrer Anstrengungen nicht mehr wert, im Moment am liebsten in den Allerwertesten beißen würden.