Von Michael Brecht – Fragt man Weintrinker der ganzen Welt nach dem bekanntesten Wein Australiens, so wird in 9 von 10 Fällen der Grange von Penfolds genannt – mit diesem Namen verbindet die Weinwelt opulenten Shiraz aus den wärmsten Gegenden Australiens. Doch ist der Grange tatsächlich der größte Wein aus Down Under? Oder ist es ein eher überbewerteter Tropfen, vielleicht sogar unpassend für die heutige Zeit, sowohl was den Preis als auch was den Geschmack angeht?

Max Schubert († 1994), der „Erfinder“ des Grange, im November 1978 in den Kellern des Weinguts Maggill von Penfolds (Foto: Eckhard Supp)
Alljährlich beginnt um diese Zeit die Debatte um den Preis und die Qualität des Penfolds Grange, denn am 1. Mai wird traditionell der neue Jahrgang präsentiert. Während in Deutschland der Tag der Arbeit gefeiert wird, greift Australiens Weinszene an diesem Tag tief in die Tasche und erwirbt eine Flasche des jeweils neuesten Releases.
Die Penfolds Winery gehört inzwischen zur Foster’s Gruppe, und die hat in diesem Jahr den Preis für eine Flasche Grange deutlich angehoben. In einer groß angelegten Medienkampagne entschuldigt sich Peter Gago, der Chief Winemaker von Penfolds, fast schon für diesen Preis: Er weiß, dass eine Flasche Wein für 330 Euro nicht gerade in eine Zeit von Rezession und Weltwirtschaftskrise passt. Zeitgleich versichert er, dass der Jahrgang 2004 dem außerordentlich guten 1996er Jahrgang in Nichts nachsteht, diese Nachricht allein sei einen Preissprung wert.
Für mich ist der Penfolds Grange einer der grossen australischen Weine des vergangenen Jahrhunderts. Die Trauben stammen aus dem Barossa Valley und diversen anderen Weinbaugebieten South Australias. Die Gärung findet zunächst in großen offenen Bottichen statt und wird dann in neuen amerikanischen Fässern vollendet. Das Ergebnis ist ein kräftiger, voller, alkoholreicher Rotwein mit gewissen Jahrgangsunterschieden - aber: Ein Grange schmeckt letztlich immer wie ein Grange.
Die australischen Weine des 21. Jahrhunderts haben sich hingegen weiter entwickelt. Eine neue Generation junger Weinmacher erzeugt heute Einzellagenweine, die sich vom Charakter eines Grange kaum deutlicher unterscheiden könnten. Es sind großartige Weine eines neuen Stils, die wesentlich eleganter als ein Grange sein können – ich denke da beispielsweise an bestimmte Pinot noir aus Viktoria, diverse Grenache aus dem McLaren Vale oder auch an verschiedene Cabernet Sauvignon und Sangiovese aus cool-climate-Gebieten. Und das hat man inzwischen auch bei Penfolds erkannt.
Deren Bin 311 Chardonnay aus der Region Tumbarumba in New South Wales, der RWT Shiraz aus dem Barossa Valley oder auch der Cellar Reserve Pinot Noir aus den Adelaide Hills sind allesamt Weine, die perfekt in dieses Jahrhundert passen. So werden wir weltweit wohl weiterhin vom Penfolds Grange als traditioneller Marke Australiens hören. In Realität haben die Weinmacher von Penfolds hier aber längst mit der Produktion interessanterer und dankenswertweise auch preisgünstigerer Weine begonnen.
Mehr Informationen zur Herkunft der Penfolds Grange Weine finden Sie auf downunderwines
26. April 2009 um 10:46
Hallo Michael,
Ein guter Punkt, und sicher benötigen die Weine von heute mehr Eleganz als viele der Gewächse des letzten Jahrhunderts. Aber, wenn ich an Australien denke, fällt mir da viel mehr der Armagh von Jim Barry ein, den ich schon immer (von wenigen Jahrgängen abgesehen) wegen mangelnder Eleganz kritisiert und dessen Status als Kultwein ich nie verstanden habe.
Ansonsten bin ich der Meinung, dass die Weinmonumente des vergangenen Jahrhunderts mit wenigen Ausnahmen auch die der Zukunft bleiben werden. Das gilt für den Grange ebenso wie für Petrus oder Romanée Conti. Und Eleganz ist schließlich nur ein (!) Parameter bei der Beurteilung von Weinen, zu den anderen gehören beispielsweise Komplexität, Kraft, Langlebigkeit etc.. Und die kann man dem Grange sicher nicht absprechen. Bleibt zu hoffen, dass wir den Jahrgang auch irgendwann zur Verkostung nach Deutschland bekommen.
Grüße aus dem sonnigen Hamburg
Eckhard