Von Paul Schumacher – Südafrikas Weinwelt war betrübt: Wie jedes Jahr rief sie den Schutzheiligen des Weinhandels an, angeblich einen Mann namens Vincenz, und bat um Schutz “vor Hagel, Frost, Durst und Steuern”. In diesem Jahr fiel die Bitte jedoch etwas umfangreicher aus: “…..und vor Snobbismus” lauteten die letzten Worte des frommen Wunsches. Was war geschehen?
Angeführt von Jakob Zuma, einem bekennenden Polygamisten, hatte der südafrikanische ANC gerade erst wieder eine überwältigende Mehrheit bei den Wahlen erreicht, wobei er allerdings die bisherige Zweidrittelmehrheit im Parlament in Kapstadt knapp verpasste. Auch die vierten demokratischen Wahlen waren, Unkenrufen zum Trotz, friedlich verlaufen.
Nun wurde gefeiert – mit französischem Champagner, wie auf den TV-Bildern wiederholt zu sehen war. Immer wenn der 67-jährige, erstaunlich fitte Zuma seinen traditionellen Zulutanz vorführte, bei dem er mit beiden Beinen einen halben Meter hoch sprang, setzten seine Anhänger im Hintergrund die französischen Riesenflaschen an die Lippen – Zuma selbst trinkt ja keinen Alkohol. Deshalb kochte Südafrikas Weinindustrie. “Wie lässt sich das mit der amtlichen Vorgabe “Proudly South African” in Einklang bringen?” zürnte sie.
Der Zorn war verständlich: Am Kap wird nämlich seit eh und je ordentlicher Sekt, seit einigen Jahrzehnten sogar in Gestalt vorzüglicher Flaschengärungen erzeugt, die allerdings nach französischen Protesten nicht mehr Champagner genannt werden dürfen. Cap Classique, so der südafrikanische Name für’s edle Schaumgetränk, hat dabei noch den Vorteil, dass er mindestens um die Hälfte billiger ist als die französischen Gewächse. “Wir sind auf Augenhöhe” sagt Pieter Ferreira, der Kellermneister der bekannten Weinguts Graham Beck. Und auch Achim von Arnim aus Franschhoek (Haute Provence Cellars) ärgert sich: “Denkt denn niemand mehr an die Preisdifferenz? Und unsere Qualität kann sowieso mithalten….”
Derzeit kostet die besonders beliebte Marke Moët & Chandon im Ladenverkauf über € 40, ein stolzer Preis, sagen Zumas Kritiker. Dessen ungeachtet wird die Marke vor allem bei den Vertretern der ANC-Jugendbewegung (’Youth League’) gern getrunken, was den politischen Nachwuchs wiederum nicht daran hindert, regelmäßig durch besonders radikale Parolen, bis hin zur Verstaatlichung privater Farmen, von sich reden zu machen. Und Zuma selbst ließ sich bei seiner Einweihungsfeier auch nicht lumpen: Er servierte für seine erlesene Gästeschar den exklusiven und noch teureren Dom Perignon.
Ferreira ist deshalb voll des Lobes für den neuen US-Präsidenten Obama: Der hatte bei einem Antrittsdinner den feinperligen Cap Classique von Graham Beck servieren lassen, was zwar Ferreira freute - “Unsere Verkäufe in den USA sind seitdem spürbar gestiegen” -, aber verständlicherweise die amerikanischen Erzeuger umso mehr ärgerte.
25. Mai 2009 um 8:59
Ein Armutszeugnis!
Die Cap Classiques spielen auf jeden Fall in der gleichen Liga, wie die Basis-Cuvées der Champagne. Ich würde einen Kaapse Vonkel jederzeit einem Moet vorziehen. Auch, weil er mit knapp über 10 Euro nur einen Bruchteil eines Moets kostet.
Ich kann nur hoffen, dass wenigstens während der Fußball-WM 2010 südafrikanischer Wein ausgeschenkt wird. Aber es gibt ja zum Glück erste Anzeichen, dass es so sein wird.
26. Mai 2009 um 7:45
Ein Aergernis!
Offensichtlich hat Herr Zuma bzgl. der Weinauswahl noch keinen geeigneten Berater. Aber die WOSA ist hier sehr aktiv, was die Weinbildung betrifft.
Hoffentlich wird diese Bildung in einigen Jahren Fruechte tragen.
Herr Zuma laesst aus meiner Sicht manchmal das Feingespuer vermissen. So hat er es erst neulichst fuer in Ordnung gehalten, dass sein Verkehrsminister als Geschenk fuer seine Amtseinfuehrung einen Mercedes der Oberklasse und 2 Rinderherden (!!) als Geschenk zur Amteinfuehrung erhalten hat. Der Verkehrsminister, hat diese Geschenke meines Wissens jedoch fuer einen guten Zweck versteigert!
Naja, ich bin mir sicher, dass zur WM jede Menge MCCs hier gekoepft werden. Sollte die Equipe Tricolore hier Weltmeister werden, dann darfs auch gerne mal ein Champagner hier sein – alternativ auch gerne ein Spumante oder Cava, je nachdem, wer den Titel gewinnen sollte!
Ich hoffe allerdings auf den Genuss eines guten Winzersekts nach dem Finale!
Beste Gruesse aus Stellenbosch
Jan Schmidtborn
8. Juli 2009 um 15:00
wichtiger als die frage, ob ein schaumwein sich mit den BASISqualitäten von moet, veuve, taittinger, feuillatte, lanson, pommery, laurent-perrier etc. messen kann, ist m.e. die frage, ob er er auch alle anderen kriterien erfüllen kann, die den champagner zum leitgetränk machen. und da dürfte es wohl bei den meisten hapern. ebenso, wie die meisten deutschen im zweifel einen mercedes, bmw, audi statt eines lexus, infiniti oder acura fahren würden.