Wieviel darf eine Flasche Wein kosten?

 

Von Eckhard Supp – In regelmäßigen Abständen taucht diese Frage in Internetforen und Netzwerken auf, so jüngst wieder auf Xing. Ziemlich kompliziertes Thema! Und noch dazu meist ziemlich emotionsbeladen! Darüber haben sich schon ganze Diskussionsforen auf Dauer verkracht.

Prinzipiell gilt: Einen wirklich guten, komplexen, facettenreichen, alterungsfähigen Wein zu machen, ist teuer. Sehr teuer! Und das schlägt sich auch im Preis der Flasche nieder. Ich habe die Frage, bis in welche Höhe der Weinpreis tatsächlich durch höhere Kosten hervorgerufen sein kann, schon öfter mit Weinmachern diskutiert, die meist von einer Obergrenze zwischen 50 und 150 EUR ausgehen.

Aber auch was darüber ist, ist nicht nur dem „Namen“ oder dem „Etikett“ geschuldet, sondern einem Mix von Faktoren, zu denen die besonderen geschmacklichen Qualitäten des Weins, sein Prestige, seine Herstellungskosten und, vor allem, der Knappheit des Weins auf dem Markt gehören.

Ich habe im Zuge meiner Arbeit häufig Gelegenheit die Weine der so genannten „Großkopfeten“ zu verkosten (Gaja, Petrus, Mouton etc.). Mit wenigen Ausnahmen sind diese Weine wirklich ein deutliches Stück hochwertiger, komplexer, anregender, aufregender und einzigartiger als „gute“ Weine ohne diese klingenden Namen (Ausnahmen bestätigen natürlich wie immer die Regel!).

Ein schönes Beispiel dafür sind die Weine der Altwein-Verkostung, über die ich hier im WorldWine Blog berichtet habe. Ein Chateau Petrus 2000 oder ein Chateau Trotanoy 1961 sind tatsächlich grandiose Weine, die nicht nur einen wohlklingenden Namen haben, und das kann man auch herausschmecken, wenn man nicht weiß, welcher Wein genau im Glas ist.

Und jetzt kommt das Wichtigste: Offenbar gibt es so viele Menschen auf der Welt, die sich diesen grandiosen Genuss gelegentlich leisten wollen, so dass das Angebot häufig weit hinter der Nachfrage zurück bleibt. Deshalb zahlt man für diese Weine eben nicht nur den Preis für Herstellung (+Kapitalbindung im Fall von älteren Jahrgängen), sondern man zahlt einen Liebhaberpreis. Und den regelt der Markt!

Würde jemand die Frage stellen, ob ein Picasso oder die blaue Mauritius ihre Millionen wert sind? Natürlich nicht! Und das mit Grund! Nehmen wir mal an, jemand kauft eine Flasche zu 1.000 EUR und verbringt 2 schöne Stunden zu zweit mit dem Wein. Dann müsste er seine Briefmarke zu 10 Millionen schon 20.000 Stunden lang zu zweit anstarren, um ein gleichwertiges „Preis-Genuss-Verhältnis“ zu erzielen. Ziemlich blödsinnige Vorstellung, oder?

Und jetzt zu den erschwinglichen Preisen! Natürlich gibt es herrliche Tropfen zu weniger als 10, gelegentlich sogar zu weniger als 5 Euro. Ich habe für die Rubrik „Weine des Monats“ auf ENO WorldWine (www.enobooks.de) neulich einen Wein zu weniger als 7,- EUR ausgewählt, den ich mit 5 von 5 möglichen Sterne bewertet habe. Und in vielen deutschen Weingütern gibt es Gutsweine, manchmal in der Literflasche, die sogar zu weniger als 5 EUR verkauft werden und tollen Trinkgenuss bieten.

Gelegentlich findet man tatsächlich sogar beim Diskounter solche Schnäppchen. Hier ist das Problem allerdings, dass auf einen guten meist jede Menge weniger guter Weine kommen, und dass man nie sicher sein kann, ob der (gute) Rioja von heute auch der Rioja von morgen ist. Und deshalb lehne ich persönlich es ab, solche Bezugsquellen in meinen Publikationen zu empfehlen.

Eine Antwort zu „Wieviel darf eine Flasche Wein kosten?“

  1. Siegolf sagt:

    Genau das ist auch mein Problem mit den Discounterweinen. Die Qualität ist einfach nicht gleichbleibend vorhanden. Prinzipiell kommt es doch aber tatsächlich auch einfach immer nur darauf an, was ich mit dem Wein möchte. Ich sehe es z.B. nicht ein, mehr als sagen wir mal 50,-€ auszugeben um mit einem Genussmittel zwei schöne Stunden zu haben. Trotzdem wüsste ich es zu schätzen, wenn mir jemand einen teureren Tropfen ausschenkt oder könnte mir durchaus vorstellen, meinen Keller mit wesentlich teureren Flaschen zu bestücken. Von daher ist es wohl vollkommen richtig, dass man hierzu keine allgemeingültigen Aussagen treffen kann oder sollte.

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