Offenbarungseid des DWI – Schließungen und Kürzungen

 

Von Eckhard Supp – Manchmal ist dem Kritiker gar nicht so wohl bei der Vorstellung, mit seinen Warnungen in allen Punkten Recht gehabt zu haben. Bereits am Tag der Veröffentlichung des CMA-Urteils, mit dem Zwangsabgaben im Agrarbereich für verfassungswidrig erklärt worden waren, hatte ich in diesem Blog geschrieben: „Das würde bedeuten, dass Weinfonds und Weininstitut sich entweder durch Steuergelder bzw. durch freiwillige Abgaben der Winzerschaft (wie etwas das Wine Institute of California) finanzieren müssten oder von der Bildfläche verschwinden würden.“

DWI und Weinfonds, in Person von Geschäftsführerin bzw. Vorstandsmitglied Monika Reule, wischten diese Bedenken damals mit vollmundigen Erklärungen beiseite und deklamierten, die Zukunft sei golden, die Existenz der beiden Organisationen durch das Urteil nicht im Mindesten in Frage gestellt, und überhaupt verstehe man die ganze Aufregung nicht.

Jetzt ist passiert, was passieren musste: Nachdem das Verfassungsgericht auch im Fall des Holzabsatzfonds identisch (und zwar fast im Wortlaut) entschied, vergrößerte sich schlagartig die Zahl der Winzer, die ihre Zwangsabgaben nur noch unter Vorbehalt leisten bzw. direkt Klage gegen das Finanzierungssystem einreichten. Wie die Berliner Weinakademie und der drinktank berichteten, hat sich auch einer der größten Beitragszahler von DWF/DWI, die Weinkellerei Peter Mertes als Gegner des Systems geoutet und der Front der Zahlungs“verweigerer“ angeschlossen.

In dieses Szenario flattert eine Erklärung von Monika Reule, in der diese erste, harte Konsequenzen aus der Entwicklung ankündigt. So sollen bis zum Jahresende die DWI-Büros in Japan, Russland und Korea vollständig geschlossen werden – den entlassenen Mitarbeitern wird zynisch gedankt! -, und in anderen Ländern sowie beim Inlandsmarketing seien die Budgets reduziert worden. Abwicklung nennt man so etwas – der Holzfonds unter Leitung des ehemaligen VDP-Vorsitzenden Prinz Salm hat es vorgemacht -, und der Szeneklatsch will sogar wissen, auch beim DWI in Mainz säße der eine oder andere Mitarbeiter schon „auf gepackten Koffern“.

Für den deutschen Wein und seine Vermarktung auf den Auslandsmärkten ist diese Entwicklung eine Katastrophe. Sie trifft in eine Situation, in der sich deutsche Weine, vor allem Rieslinge, die sich gerade ein zartes, noch verwundbares Qualitätsimage gezimmert hatten, vor dem Hintergrund einer harten Strukturkrise besonders auf dem amerikanischen Markt behaupten müssen, auf dem sich die Verbraucher massiv vom Hochpreissegment verabschieden, um zu billigeren Alternativen zu greifen.

Was wir bereits im Februar forderten, nämlich massiv an einem „Plan B“, d. h. an einem privatwirtschaftlich organisierten und durch freiwillige Mitgliedschaften finanzierten Ersatz für das DWI zu arbeiten, haben DWF/DWI und ihre Chefin, Monika Reule bis heute offensichtlich versäumt. Eigentlich kann die Forderung angesichts des drohenden Desasters nur auf sofortigen Rücktritt Reules von allen ihren Ämtern, auf sofortige Abwicklung des DWI und schnellstmögliche Schaffung einer Ersatzlösung lauten.  Viel Hoffnung, dass der deutsche Weinbau zu einer solchen Radikallösung imstande ist, habe ich allerdings, ehrlich gesagt, nicht!

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