Deutsche Weinliebhaber – für australische Winzer eine Fata Morgana?

 

Von Michael Brecht – Der deutsche Markt scheint für australische Weinexporteure ein schweres Pflaster zu sein. Neben einem Überangebot an Tropfen aus allen Ecken dieser Erde erlebt der deutsche Wein in den vergangenen Jahren ein wahres Come-back. Vorbei sind die Zeiten, in welchen der bevorzugte Spruch meines VWL Professors –  “wer Rheinhessen säuft, der säuft auch Aral“ – durchaus Berechtigung hatte. Ich bereise zur Zeit mein altes Heimatland und genieße viele neue, frische und hochklassige deutsche Weine – landauf und -ab.

Deutschland war im vorvergangenen Jahr der zweitgrößte Weinmarkt Europas für die australischen Weinexporteure. Allerdings ist der Durchschnittspreis einer australischen Flasche in deutschen Regalen auf unter 2 EUR gerutscht. Eine durchaus normale Konstellation für ein Land, welches seinen Wein mehrheitlich über Supermärkte vertreibt. Leider ist ein solches Preismodell jedoch von nur ganz wenigen grossen Winzern durchzuhalten. Im Vergleich zu dem genannten Durchschnittspreis kostet ein Cappucino in Sydney oder Melbourne mehr. Und qualitativ kann eine solche Preispolitik keine Spitzenprodukte hervorlocken, wir finden in den deutschen Regalen die Weine, die in Australien kaum einer trinkt.

Und ausgerechnet in diesem schwierigen Markt schliesst die wichtige Australian Wine & Brandy Corporation ihr deutsches Office – gerade jetzt wo es darauf ankommt Neuerungen aus Down Under, Hintergrundinfos oder auch nur kleinere Erfolgsstories der australischen Winzer zu publizieren. Das nenne ich an der falschen Stelle gespart. Ein Beispiel: Eckhard berichtet mir bei unserem Treffen diese Woche, dass er seit mehreren Wochen vergeblich auf eine Antwort der AWBC aus London auf eine Anfrage wartet – mit dieser Infopolitik kann man natürlich weder Marktanteile in einem umkämpften Markt halten, geschweige denn in hoeherwertigere Marktsegemente vordringen.

Australischer Wein ist hier in Deutschland ein Massenprodukt – leider als solches qualitativ minderwertig und wenn hier nicht ganz bald ein frischer Wind einzieht, dann kann der australische Weinexporteur diesen Markt komplett abschreiben. Es sei denn, es gelingt uns über die neuen Onlinemedien wie Blogs oder Twitter eine ganz andere Art der Informationsvermittlung zum Konsumenten aufzubauen. Eno WorldWine und Downunderwines sind ja gute Beispiele für diese neue erfolgreiche Art der „Kundenbetreuung“, hier werden Information über Weine, Winzer und Weingegenden von der Basis gegeben.

In Australien sind in den vergangenen Monaten eine ganze Reihe an hochwertigen Onlinemedien rund um das Thema Wein entstanden. Wir bei Downunderwines feierten kuerzlich den 5.000-ten Abonnenten und liefern inzwischen Marktinformationen aus Down Under für eine ganze Reihe von Medien weltweit. Jetzt müssten wir „nur noch“ den deutschen Weinliebhaber mit den richtigen Produkten aus Australien beliefern können – aber an diesem Thema arbeiten wir noch.

3 Antworten zu „Deutsche Weinliebhaber – für australische Winzer eine Fata Morgana?“

  1. Jörn Poppenhäger sagt:

    Guter Artikel,
    nur welcher deutsche Winzer kann einen so günstigen Wein produzieren, dass er mit den „Billigweinen“ aus Australien mithalten kann?

  2. Stefan sagt:

    Guter Artikel!
    Sehr interessant ist der Vergleich zu England:
    Dort findet man deutlich teurere Australische Weine, während das Billigsegment u.a. von Deutschland (!) dominiert wird. „Liebfrauenmilch“ steht bei vielen immer noch für typisch deutschen Wein, auch wenn der Rieslingboom bei einigen zum Umdenken geführt haben mag.
    England ist sowohl von der Exportmenge als auch hinsichtlich des Exportwertes einer der Hauptabnehmer für deutschen Wein, aber auch für den Australischen Wein-Export sehr wichtig.
    Dort scheint man sich aber bzgl. der Marketingaktivitäten auf den britischen Markt zu konzentrieren und bringt dort auch Weine in Preissegmenten unter, von denen die meisten deutschen Erzeuger nur träumen können.
    Auch in Deutschland werden aber Weinmarken wie [yellow tail] oder Penfolds verstärkt wahrgenommen, und zwar nicht nur von klassischen Supermarkt-Weinkäufern.

    Schlussfolgerung:
    Die Wahrnehmung deutscher Weine ist im Ausland deutlich verbesserungsfähig. Ob dies durch das Deutsche Weininstitut (DWI) erfolgen soll oder auf anderen Wegen ist eine andere Diskussion. Ich denke, auch von Australien lässt sich hierbei einiges lernen!

  3. weinoutletde sagt:

    Ich bin ja einmal gespannt, wann Twitter in Deutschland so weit verbreitet ist, daß man auch namhaft Wein daüber verkauft. Ich denke, mit manchen Blogs ist man da schon weiter…

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