Weltmeisterlich daneben – Del Monego gibt Tipps

 

Von Eckhard Supp – Weder der Titel eines Weltmeisters – um genau zu sein eines „Weltmeisters der Sommeliers 1998″ – noch der eines „Masters of Wine“ schützen offenbar vor selbst gröberen Torheiten. Als solche muss man das bezeichnen, was der bekannte Sommelier Markus del Monego schon am 3. August auf den Foodseiten von Fit for fun in Sachen Weinempfehlungen von sich gab.

„Der beste Wein aus dem Supermarkt“ war der knappe Text überschrieben, in dessen Kürze leider gar keine Würze lag, und der von einer Liste von konkreten Weinempfehlungen aus verschiedenen Supermärkten ergänzt wurde. Die Hauptthese des Artikels war – vielleicht nicht zufällig? – unter den „weiteren Einkaufstipps unseres Experten“ versteckt. Sie lautete: „Verlassen sie sich nicht auf hohe Preise. Es gibt bereits tolle Weine ab zwei Euro.“Nein, Sie haben nicht falsch gelesen. Nicht von anständigen, preisgünstigen Weinen für das kleine Budget ist hier die Rede – „tolle Weine“, so der Experte, gebe es bereits für 2 Euro.

Wer sich noch an die Debatte erinnert, die im vergangenen Jahr über Weinempfehlungen Hendrik Thomas auf Welt online geführt wurde – der hatte damals behauptet, für weniger als 5 Euro gebe es nur Wirkung, keine Emotion, sprich, allenfalls Weine zum Runterkippen, aber nicht zum wirklichen Genießen – der muss sich jetzt wie im falschen Film vorkommen. Sicher, den einen oder anderen trinkbaren Wein mag es in der Preisklasse „2 Euro“ im Supermarkt geben, aber diese dann gleich als „toll“ zu empfehlen und mit überaus positiven, stark aufgehübschten Kommentaren zu versehen („Duft mit feiner Würze, Beerenfrucht und Kirscharomen. Schönes Mundgefühl, feiner Schmelz und gut eingebundene Gerbstoffe“ – so beschreibt Del Monego einen argentinischen Wein für 1,99 Euro), das geht eindeutig zu weit.

Experten sollten dazu da sein, ihre Leser, d. h. die Konsumenten sachlich richtig und honnett zu beraten, nicht, sie auf den Arm zu nehmen. Denn genau das macht dieser Artikel Del Monegos. Ein paar Kostproben gefällig? Da heißt es beispielsweise „Wer keine Säure verträgt, wird sich mit Weißwein schwer anfreunden“ – und was ist mit den unzähligen Weißen (z. B. Burgundern), die weniger als 5 g Säure und einen recht hohen pH-Wert aufweisen? Und weiter: „… wer mit herben Komponenten wie Gerbstoffen (Tannine) Probleme hat, wird nie zum Rotweinfan“ Noch nie einen tanninarmen Rotwein getrunken, Herr Del Monego?

Absurd wird es bei den Temperaturempfehlungen. „Weißwein schmeckt kalt, bei circa acht Grad“, meint der Starsommelier, und diese Empfehlung hat wohl einen ersten Hintergrund: Nur bei so niedrigen Temperaturen kann man wahrscheinlich eine Reihe der Weinempfehlungen, die dem Artikel folgen, überhaupt schlucken, denn bei 8 Grad besitzt ein Wein weder Duft noch Geschmack, vor allem aber sind Weinfehler meist nicht erkennbar: Er ist nur kalt!

Redigiert wurde der Artikel offenbar auch nicht – sonst hätte man bei dem knappen Platz zumindest die Wiederholungen (Dass leichte Gerichte leichte Weine und keine schweren Rotweine vertragen, wird gleich zweimal in anderen Worten erklärt) gestrichen. Auch den Unsinn der Speisenempfehlung zu den „mineralisch(en), charaktervoll(en) …“ Weinen „mit feiner Frucht im Duft, aber auch mit deutlich mineralischen Geschmacksnoten“. Mittlere Säure“ hätte man sonst wohl bemerkt, denn die lautet „Weine mit feiner Frucht im Duft, aber auch mit deutlich mineralischen Geschmacksnoten“. Sic!

Vielleicht war ja das Honorar zu mickrig, um sich mehr 10 oder 20 Minuten für das Schreiben dieses Artikels zu verschwenden? Dann hätte Markus del Monego aber besser auf die paar Euros verzichtet. Seinem Ruf hätte das gut getan.

6 Antworten zu „Weltmeisterlich daneben – Del Monego gibt Tipps“

  1. Jörn Poppenhäger sagt:

    Hi,

    deine Kritik in allen Ehren. Aber der Artikel bezog sich wohl eher auf den Wein für den Otto-Normalverbraucher und nicht an den Weinkenner. Der Weinkenner kauft seinen Wein oft direkt beim Erzeuger, der „ich mach dem Besuch heute abend mal einen Wein auf“ Kunde kauft eben diesen im Supermarkt. Natürlich ist ein 2 Euro Wein keine Offenbarung, aber trinkbar sind die oft allemal, wo andere 15 Euro Weine kaum geniessbar sind. Vielleicht hätte er einfach nur die übertriebenen „Details“ weglassen sollen und einfach das Beschreiben, was er auch geschmeckt hat :-)

    Gruß Jörn

  2. pivu sagt:

    Ist der Ruf erstmal ruiniert – remember Aldi -, schreibt sich’s völlig ungeniert.

  3. Volker sagt:

    Interessant, wie unausgewogen die Weinauswahl der Empfehlungen sind. Neben Weinen für 1,99€ werden auch Weine für 5,99€ oder sogar 9,90€ vorgestellt. Das ist eine immense Spanne und natürlich auch ein qualitativer Sprung. Was sind diese Empfehlungen dann wert, an wen sollen sie sich richten? An den 2€ Weintrinker offenbar nicht konsequent, der fängt mit Weinen über 5€ oft nicht mehr viel an.

  4. Eckhard Supp sagt:

    @Jörn Poggenhäger

    … verstehe die Bemerkung nicht, wiederhole aber gerne, was ich geschrieben habe: „Nicht von anständigen, preisgünstigen Weinen für das kleine Budget ist hier die Rede – „tolle Weine“, so der Experte, gebe es bereits für 2 Euro.“

  5. Captain Cork sagt:

    Lieber Jörg Poppenhäger,

    auch der von Ihnen offenbar verachtete „Otto Normalverbraucher“ hat das Recht gut und korrekt informiert zu werden. Und dieses „Weinkenner“-Getue, der seinen Wein freilich nur beim Erzeuger kauft, dieses Brimborium um den Wein, macht die Leute anfällig für Unsinn a la Monego. Sie sind Teil dieses Bootes. Ob Sie es wollen, oder nicht..

  6. vinissimus sagt:

    Nun – wundern tut mich gar nichts mehr – lassen sich doch die meisten bekannten Weinexperten für entsprechendes Honorar vor den Karren spannen..

    Daß es auch in die preislich andere Richtung nicht immer „passt“, hat diesen Sommer Jens Priewe mit seinem Artikel „Ende gut, alles gut -Bordeaux 2006″ im Werbemagazin der Weinwelt.at (Interspar) Heft 35 bewiesen, wo bei der präsentierten Auswahl von 15 Weinen nur 4 unter der €100-Marke blieben, der günstigste mit €30 (dann weiter mit €45 & €50) und der Rest ein €120 bis €700-Preisschild trug, bei einem ingesamt wohlfeilen Durchschnitt von €265 pro Flasche ;-(

    Und ja, natürlich ist die Wahrheit, daß der Weinolymp *nicht* bei €5 aufhört, auch den Kunden aller Diskonter zumutbar!

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