Karnevaleskes Angebot – leider ernst gemeint

Von Eckhard Supp – Normalerweise schreibe ich ja nichts über kommerzielle Angebot und Vorschläge, die mir ins Haus flattern, aber diesmal schlug es dem Fass doch den Boden aus. Ob es nur Naivität oder ein dem Datum (11.11. !!!) geschuldeter Karnevalsscherz war, vermochte ich nicht zu entscheiden: “(Wir) sind auf der Suche nach Kooperationspartner, die Interesse haben über Ihre eigene Seite unser Sortiment von derzeit fast 2.500 Weinen Ihren Lesern/ Kunden anzubieten. Natürlich ist dies für Sie kostenfrei“, so der Text der Mail in (fast perfektem Deutsch), die ich vor einigen Minuten erhielt. Der Online-Shop, auf den sich die Mail bezog, existierte tatsächlich, und neben dem umfangreichen Weinangebot kann man dort ein ganzes Sammelsurium von Waren bestellen.

Dass wir auf ENO WorldWine unter dem Deckmantel des Journalimus keinen Wein vertreiben (im Unterschied zu so vielen Printtiteln, die sich mehr oder weniger gut verschleiert nur allzu gerne vor den Karren kommerzieller Anbieter spannen lassen), dürfte ja nach 12 Jahren einigermaßen bekannt sein und hat einen ganz einfachen Grund: Wir wollen unsere journalistische Unabhängigkeit bewahren, weshalb wir die Sache bei Accessoires oder Ähnlichem, Dingen, die nicht Gegenstand unserer journalistischen Arbeit sind, auch deutlich genauer und gegebenenfalls wohlwollender prüfen würden.

Aber dass uns hier jemand eine Kooperation vorschlägt, mit deren Hilfe er von unseren Lesern Geld einnehmen möchte, und uns dabei generös anbietet, dies sei natürlich für uns „kostenfrei“, ist wohl der Gipfel der Unverschämtheit. Nein, man bietet uns keine Provision, keine Anzeigenschaltung oder Ähnliches an! „Kostenfrei“ soll es sein, wenn wir die Produkte des Anbieters unter die Leute bringen. Solche „Angebote“ bedürfen wohl keines Kommentars, aber ich kann nur jedem empfehlen, uns nicht mehr mit so etwas zu belästigen, da er in Zukunft riskiert, mit Vor- und Nachnamen öffentlich genannt zu werden.

 

3 Antworten zu „Karnevaleskes Angebot – leider ernst gemeint“

  1. Christian Wolf sagt:

    Super Story. Das, wie schreiben Sie so schön, „haut dem Fass den Boden aus“!!!

  2. Antje Seeling sagt:

    Das stimmt so nicht ganz: Ich habe gestern dieses Angebot ebenfalls erhalten. Provision wurde angeboten und auch so kommuniziert. Der Anbieterin war aber nicht ganz klar, wo die Grenze zwischen Journalismus und Kommerz liegt.

  3. Eckhard Supp sagt:

    Liebe Antje,

    verstehe ich Dich jetzt richtig? Du behauptest („das stimmt so nicht ganz“), ich (!) hätte entgegen meiner (falschen)Darstellung doch ein Angebot mit Provision erhalten? Als Beweis dient Dir, dass Du – eine Weile nachdem mich (!) das Angebot erreichte – einen Vorschlag mit (!) Provisionsangebot erhieltest. Also: Die von Dir skizzierte „Logik“ entbehrt nicht nur jeder tatsächlichen Logik – offenbar haben die Anbieter, nachdem ich sie angemeckert habe, nachgebessert – und zweitens finde ich es nicht wirklich lustig, wenn Du mich auf diese Art der Lüge bezichtigst.

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