Karnevaleskes Angebot – leider ernst gemeint

11. November 2009

Von Eckhard Supp – Normalerweise schreibe ich ja nichts über kommerzielle Angebot und Vorschläge, die mir ins Haus flattern, aber diesmal schlug es dem Fass doch den Boden aus. Ob es nur Naivität oder ein dem Datum (11.11. !!!) geschuldeter Karnevalsscherz war, vermochte ich nicht zu entscheiden: “(Wir) sind auf der Suche nach Kooperationspartner, die Interesse haben über Ihre eigene Seite unser Sortiment von derzeit fast 2.500 Weinen Ihren Lesern/ Kunden anzubieten. Natürlich ist dies für Sie kostenfrei“, so der Text der Mail in (fast perfektem Deutsch), die ich vor einigen Minuten erhielt. Der Online-Shop, auf den sich die Mail bezog, existierte tatsächlich, und neben dem umfangreichen Weinangebot kann man dort ein ganzes Sammelsurium von Waren bestellen.

Dass wir auf ENO WorldWine unter dem Deckmantel des Journalimus keinen Wein vertreiben (im Unterschied zu so vielen Printtiteln, die sich mehr oder weniger gut verschleiert nur allzu gerne vor den Karren kommerzieller Anbieter spannen lassen), dürfte ja nach 12 Jahren einigermaßen bekannt sein und hat einen ganz einfachen Grund: Wir wollen unsere journalistische Unabhängigkeit bewahren, weshalb wir die Sache bei Accessoires oder Ähnlichem, Dingen, die nicht Gegenstand unserer journalistischen Arbeit sind, auch deutlich genauer und gegebenenfalls wohlwollender prüfen würden.

Aber dass uns hier jemand eine Kooperation vorschlägt, mit deren Hilfe er von unseren Lesern Geld einnehmen möchte, und uns dabei generös anbietet, dies sei natürlich für uns „kostenfrei“, ist wohl der Gipfel der Unverschämtheit. Nein, man bietet uns keine Provision, keine Anzeigenschaltung oder Ähnliches an! „Kostenfrei“ soll es sein, wenn wir die Produkte des Anbieters unter die Leute bringen. Solche „Angebote“ bedürfen wohl keines Kommentars, aber ich kann nur jedem empfehlen, uns nicht mehr mit so etwas zu belästigen, da er in Zukunft riskiert, mit Vor- und Nachnamen öffentlich genannt zu werden.

 


Selten so gelacht (oder geweint?) – Wein in Beef!

31. Oktober 2009

Von Eckhard Supp – Mit Spannung war Beef!, das neue kulinarische Männermagazin aus dem Hause Gruner & Jahr erwartet worden, und so konnte ich – trotz der zahlreichen Kritiken oder gar Verrisse im Internet (z. B. hier („Zielgruppe verfehlt“) oder hier („wollen mir etwas verkaufen, was gleichzeitig Gegenstand journalistischer Berichterstattung war) oder hier („das altbacken daherkommende Magazin für kochende Machos“) oder hier („an die Arschgeigen unter uns Männern“), und das Alles noch einmal zusammengefasst hier – der Versuchung nicht widerstehen, mir eines der neuen Hefte zu kaufen. Um es gleich vorweg zu nehmen, es wurde ein Einkauf, den ich schon nach kurzer Zeit bereute.

Nachdem ich Beef! bei gleich zwei Zeitschriftenhändlern vergeblich unter den Kochzeitschriften gesucht hatte, wies mich eine freundliche ältere Dame darauf hin, dass das Magazin nicht dort, sondern bei den Männermagazinen zu finden sei, was ich dann schon ausgesprochen merkwürdig fand. So, als gehörten Kochzeitschriften per Definition zum „Frauenbereich“, während Männer, wenn sie schon kochen, mit dem Weiberkram nichts zu tun haben wollten. Diese Grundhaltung wird dann auch im Heft ausgiebig zelebriert. Da findet man Tipps zur Gründung eines Männerkochclubs – natürlich unter Ausschluss der Frauen – und die Tipps zur Herstellung von Mozzarella (aus Kuhmilch, igitt!) sind doppelbödig mit „New balls, please“ überschrieben. Den Rest des Beitrags lesen »


Luxus und Kult – Widersprüchliches aus dem Hause Penfolds

30. Oktober 2009

Von Eckhard Supp - Die Kulisse konnte spektakulärer nicht sein, und das Wetter spielte, trotz der schon recht niedrigen Oktobertemperaturen, ebenfalls mit. In Stockholms Opernrestaurant, sonniger Blick auf das Schloss des Schwedenkönigs, die Parkanlage des Kungsträdgården und die noblen Hotels der „Waterfront“ der Södra Blasieholmshamnen inklusive, hatte Australiens Kulterzeuger Penfolds zur Recorking-Clinic geladen.

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Peter Gago (li), Chefönologe von Penfolds, beim Evaluieren der
Flaschen eines Sammlers im Stockholmer Opernrestaurant.

Penfolds Recorking-Clinic ist eine schon fast legendäre Institution, bei der in den letzten beiden Jahrzehnten weltweit schon mehr als 90.000 Flaschen alter – 15 Jahre ist das Mindestalter - Rotweine der australischen Kellerei begutachtet, geöffnet, verkostet und mit einem speziellen Label versehen wieder verkorkt wurden. Im Gegensatz zu dem, was gelegentlich in der Presse zu lesen ist, erklärt Peter Gago, der Chefönologe von Penfolds, der diese Veranstaltungen in der Regel selbst leitet, werden nicht nur alte Jahrgänge des Kultweins der Australier, des Grange (früher: Grange Hermitage) neu verkorkt, sondern auch die aller anderen, noch lagerfähigen Rotweine der Kellerei. Den Rest des Beitrags lesen »


Und immer wieder der Blödsinn mit dem Terroir

29. Oktober 2009

Von Eckhard Supp - Dieser Tage stieß ich im Internet (auf decanter.com) auf eine sensationell klingende Meldung: „US geologists challenge ‘gout de terroir’“, US-Geologen stellen Terroirgeschmack in Frage. In dem Artikel hieß es, Wissenschaftler im US-Staat Oregon hätten behauptet, dass es so etwas wie einen Terroirgeschmack nicht gebe, wobei die von decanter.com zitierte Fragestellung ihrer Studie schon recht merkwürdig klang: „Im Rahmen einer Studie von Weinbergsböden haben Geologen, die zur diesjährigen Jahrestagung der Geological Society of America in Portland (Oregon, d. Red.) zusammenkamen, festgestellt, dass der Terroirgeschmack – wörtlich übersetzt als „Bodengeschmack“ – vermutlich nicht durch die Mineralien im Weinberg verursacht wird.“ Den Rest des Beitrags lesen »


Unser Gastbeitrag – Angelo Gaja zur EU-Weinmarktordnung

20. September 2009

 

Wie immer, wenn die EU regulierend in historisch gewachsene Ordnungssysteme eingreift, sind viele schnell mit einer pauschalen Verurteilung bei der Hand. Aber ist an der neuen Weinmarktordnung wirklich alles so schlecht? Italiens Starwinzer Angelo Gaja zeichnet ein deutlich differenzierteres Bild der neuen Regelwerke.

 

Von Angelo Gaja - Wie soll man die neue Weinmarktordnung bewerten? Ich versuche es einmal mit Noten. Eine Eins gebe ich dabei für die Pünktlichkeit. Allen Zweiflern zum Trotz, die meinten, es würde sicher wieder einen Aufschub geben, verabschiedete die Landwirtschaftskommission der EU pünktlich zum 1. August 2009 die Reform der EU-Weinmarktordnung.

Um die Bedeutung dieser Reform zu begreifen, muss man sich das bisherige System der EU-Landwirtschaftsförderung vergegenwärtigen: Über 75% der für den Weinbereich reservierten Ressourcen wurden allein für die Vernichtung der Überproduktion verwendet. Eine Überproduktion, die mitunter bewusst erzeugt worden war. Den Rest des Beitrags lesen »


Weltmeisterlich daneben – Del Monego gibt Tipps

8. September 2009

 

Von Eckhard Supp – Weder der Titel eines Weltmeisters – um genau zu sein eines „Weltmeisters der Sommeliers 1998″ – noch der eines „Masters of Wine“ schützen offenbar vor selbst gröberen Torheiten. Als solche muss man das bezeichnen, was der bekannte Sommelier Markus del Monego schon am 3. August auf den Foodseiten von Fit for fun in Sachen Weinempfehlungen von sich gab.

„Der beste Wein aus dem Supermarkt“ war der knappe Text überschrieben, in dessen Kürze leider gar keine Würze lag, und der von einer Liste von konkreten Weinempfehlungen aus verschiedenen Supermärkten ergänzt wurde. Die Hauptthese des Artikels war – vielleicht nicht zufällig? – unter den „weiteren Einkaufstipps unseres Experten“ versteckt. Sie lautete: „Verlassen sie sich nicht auf hohe Preise. Es gibt bereits tolle Weine ab zwei Euro.“Nein, Sie haben nicht falsch gelesen. Nicht von anständigen, preisgünstigen Weinen für das kleine Budget ist hier die Rede – „tolle Weine“, so der Experte, gebe es bereits für 2 Euro. Den Rest des Beitrags lesen »


New World Wine Alliance – Die Neue Welt bedient ihre schlimmsten Gegner

16. Juli 2009

 

Von Eckhard Supp – Gerade glaubte ich wirklich einen Moment lang, mich tritt ein Pferd! Auf Twitter fand ich zwei Mitteilungen von Su Birch und Andre Morgenthal, der Chefin und dem Pressemann der südafrikanischen Weinexportvereinigung WOSA, in der eine enge Kooperation von fünf weinerzeugenden Ländern der so genannten Neuen Welt angekündigt wird, die New World Wine Alliance. Als erste gemeinsame Maßnahme haben die fünf – neben Südafrika gehören der Allianz Argentinien, Chile, Kalifornien und Neuseeland an, während Australien, das derzeit ausschließlich in Asien aktiv zu sein scheint, fehlt – geplant, ihre Präsenz auf der ProWein im kommenden Frühjahr in eine eigene, gemeinsam gemietete Halle zu verlegen.

Nun ist das an sich noch keine skandalöse Nachricht, auch wenn ich stark bezweifle, ob sich das Fachpublikum, das die ProWein frequentiert, davon beeindrucken lässt, dass nicht, wie bisher in Halle 6, Spanier oder Portugiesen benachbarte Ausstellungsflächen belegen, sondern man „unter sich“ ist. 15 Jahre ProWein-Erfahrung lassen mich eher das Gegenteil vermuten, aber sei’s drum! Und ob man, wie die Allianz behauptet, durch einen Zusammenschluss von fünf riesigen Weinbaunationen „regional strengths“, regionale Stärken, ausspielen kann, wage ich ebenfalls einmalzu bestreiten, ohne hier aber weiter darauf eingehen zu wollen.

Der eigentliche Skandal der Mitteilung liegt für mich denn auch nicht in der Ankündigung einer irgendwie gearteten Zusammenarbeit von fünf Weinbaunationen, sondern in der langen und ausführlichen Begründung, die für diesen Gründung der Allianz gegeben wird. „All five countries have succeeded in building their wine trades on the back of aggresive branding; by demystifying wine … and by focusing on technical, packaging and marketing innovation, while  giving increasing accent to sustainable wine-growing and wine production.“ Den Rest des Beitrags lesen »


Offenbarungseid des DWI – Schließungen und Kürzungen

15. Juli 2009

 

Von Eckhard Supp – Manchmal ist dem Kritiker gar nicht so wohl bei der Vorstellung, mit seinen Warnungen in allen Punkten Recht gehabt zu haben. Bereits am Tag der Veröffentlichung des CMA-Urteils, mit dem Zwangsabgaben im Agrarbereich für verfassungswidrig erklärt worden waren, hatte ich in diesem Blog geschrieben: „Das würde bedeuten, dass Weinfonds und Weininstitut sich entweder durch Steuergelder bzw. durch freiwillige Abgaben der Winzerschaft (wie etwas das Wine Institute of California) finanzieren müssten oder von der Bildfläche verschwinden würden.“

DWI und Weinfonds, in Person von Geschäftsführerin bzw. Vorstandsmitglied Monika Reule, wischten diese Bedenken damals mit vollmundigen Erklärungen beiseite und deklamierten, die Zukunft sei golden, die Existenz der beiden Organisationen durch das Urteil nicht im Mindesten in Frage gestellt, und überhaupt verstehe man die ganze Aufregung nicht. Den Rest des Beitrags lesen »


Extrema und dura – Spaniens Extremadura

7. Juli 2009

 

Von Eckhard Supp – Eigentlich hat der Name ja mit extrem und hart gar nichts zu tun, obwohl das Klima einen solchen Zusammenhang nahelegen würde - 37 Grad im Schatten sind bei einer Weinreise wirklich kein Pappenstiel. Richtig übersetzt bedeutet Extremadura allerdings „jenseits (extrema) des Duero (dura)“ und bezieht sich auf eine alte Dichotomie in der spanischen Geographie.

2009-07-01ExtremaduraElToril(Mérida)
El Toril vor den Toren Méridas (Fotos: E. Supp)

Nur zu dritt, aber zeitweise von sechs Begleitern umgeben, waren wir auf unserer Erkundung (Die Verkostungsergebnisse finden Sie hier… ) dieser weithin unbekannten Weinregion im Südwesten Spaniens, knapp 200 Kilometer nördlich von Sevilla und ebensoweit östlich von Lissabon, unterwegs, aber das tat unserer Neugier und Abenteuerlust keinen Abbruch. Unbekannt, das bezieht sich vor allem auf den Status der Weine hierzulande, denn nur ein winziger Teil der Produktion wird nach Deutschland exportiert – von der Gesamtproduktion landen noch immer 20 % in der Destillation, und der Export wandert zum größten Teil im Tank in Richtung Portugal.  Andere Produkte des Landes, wie zum Beispiel die berühmten Schinken vom eichelfressenden Iberico-Schwein, können da schon mit wesentlich mehr Renommee aufwarten. Den Rest des Beitrags lesen »


Ein, zwei Gedanken zur Gault-Millau-Diskussion

7. Juli 2009

 

Von Eckhard Supp – Von Armin Diel, dem Chefredakteur des Gault Millau Weinguides, erhielt ich gerade, noch zu später Stunde, eine Mail mit dem Inhalt des Briefes, den Clemens Hahn, den Verantwortlichen für den Guide beim Christian Verlag, an alle im Guide vertretenen Weingüter geschickt hat. Er bestätigt mich in der Einschätzung, die ich bereits vor zwei Wochen an dieser Stelle vertreten habe: Dass das kommerzielle Manöver des Christian Verlags im Prinzip korrekt und in dieser Form nicht zu kritisieren ist, auch wenn ich persönlich eine andere Strategie gewählt hätte und habe. Deshalb veröffentliche ich hier den Wortlaut dieses Schreibens in Auszügen:

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Winzerinnen und Winzer,

vor wenigen Wochen hatte ich Sie angeschrieben, um Ihnen die Entwicklung des GAULT MILLAU WeinGuide zu schildern und obendrein ein nützliches Marketingpaket für die Ausgabe 2010 angeboten. Viele unter Ihnen haben darauf bereits positiv reagiert, wofür ich Ihnen ganz herzlich danken möchte. Den Rest des Beitrags lesen »