Offenbarungseid des DWI – Schließungen und Kürzungen

15. Juli 2009

 

Von Eckhard Supp – Manchmal ist dem Kritiker gar nicht so wohl bei der Vorstellung, mit seinen Warnungen in allen Punkten Recht gehabt zu haben. Bereits am Tag der Veröffentlichung des CMA-Urteils, mit dem Zwangsabgaben im Agrarbereich für verfassungswidrig erklärt worden waren, hatte ich in diesem Blog geschrieben: „Das würde bedeuten, dass Weinfonds und Weininstitut sich entweder durch Steuergelder bzw. durch freiwillige Abgaben der Winzerschaft (wie etwas das Wine Institute of California) finanzieren müssten oder von der Bildfläche verschwinden würden.“

DWI und Weinfonds, in Person von Geschäftsführerin bzw. Vorstandsmitglied Monika Reule, wischten diese Bedenken damals mit vollmundigen Erklärungen beiseite und deklamierten, die Zukunft sei golden, die Existenz der beiden Organisationen durch das Urteil nicht im Mindesten in Frage gestellt, und überhaupt verstehe man die ganze Aufregung nicht. Den Rest des Beitrags lesen »


Extrema und dura – Spaniens Extremadura

7. Juli 2009

 

Von Eckhard Supp – Eigentlich hat der Name ja mit extrem und hart gar nichts zu tun, obwohl das Klima einen solchen Zusammenhang nahelegen würde - 37 Grad im Schatten sind bei einer Weinreise wirklich kein Pappenstiel. Richtig übersetzt bedeutet Extremadura allerdings „jenseits (extrema) des Duero (dura)“ und bezieht sich auf eine alte Dichotomie in der spanischen Geographie.

2009-07-01ExtremaduraElToril(Mérida)
El Toril vor den Toren Méridas (Fotos: E. Supp)

Nur zu dritt, aber zeitweise von sechs Begleitern umgeben, waren wir auf unserer Erkundung (Die Verkostungsergebnisse finden Sie hier… ) dieser weithin unbekannten Weinregion im Südwesten Spaniens, knapp 200 Kilometer nördlich von Sevilla und ebensoweit östlich von Lissabon, unterwegs, aber das tat unserer Neugier und Abenteuerlust keinen Abbruch. Unbekannt, das bezieht sich vor allem auf den Status der Weine hierzulande, denn nur ein winziger Teil der Produktion wird nach Deutschland exportiert – von der Gesamtproduktion landen noch immer 20 % in der Destillation, und der Export wandert zum größten Teil im Tank in Richtung Portugal.  Andere Produkte des Landes, wie zum Beispiel die berühmten Schinken vom eichelfressenden Iberico-Schwein, können da schon mit wesentlich mehr Renommee aufwarten. Den Rest des Beitrags lesen »


Ein, zwei Gedanken zur Gault-Millau-Diskussion

7. Juli 2009

 

Von Eckhard Supp – Von Armin Diel, dem Chefredakteur des Gault Millau Weinguides, erhielt ich gerade, noch zu später Stunde, eine Mail mit dem Inhalt des Briefes, den Clemens Hahn, den Verantwortlichen für den Guide beim Christian Verlag, an alle im Guide vertretenen Weingüter geschickt hat. Er bestätigt mich in der Einschätzung, die ich bereits vor zwei Wochen an dieser Stelle vertreten habe: Dass das kommerzielle Manöver des Christian Verlags im Prinzip korrekt und in dieser Form nicht zu kritisieren ist, auch wenn ich persönlich eine andere Strategie gewählt hätte und habe. Deshalb veröffentliche ich hier den Wortlaut dieses Schreibens in Auszügen:

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Winzerinnen und Winzer,

vor wenigen Wochen hatte ich Sie angeschrieben, um Ihnen die Entwicklung des GAULT MILLAU WeinGuide zu schildern und obendrein ein nützliches Marketingpaket für die Ausgabe 2010 angeboten. Viele unter Ihnen haben darauf bereits positiv reagiert, wofür ich Ihnen ganz herzlich danken möchte. Den Rest des Beitrags lesen »


Untergang des Abendlands abgewendet – die EU und der Rosé

29. Juni 2009

 

Von Eckhard Supp – Wer  in den letzten Wochen im Internet, insbesondere in einigen der Social Networks, nach dem Thema Rosé und die EU suchte, der wurde nicht nur fündig, er wurde von der Welle des Datenrücklaufs quasi überrollt. Der Tenor des weit überwiegenden Teils der Kommentare war: Unser Rosé ist in Gefahr, die EU öffnet den Weinindustriellen der Neuen Welt Tür und Tor.

Die Argumentation blieb dabei meist erstaunlich einfach und knapp: Rosé kann und darf nur aus roten Trauben erzeugt werden, hieß es, weiße und rote Moste bzw. Weine zu verschneiden, ist Panscherei, bei der nur Minderwertiges entstehen kann. So einfach und schlicht diese Position auch daherkam – sie schien zu verfangen, und eine Umfrage, die wir per „twitt poll“ (hier und hier) starteten, ergab denn auch ein eindeutiges Ergebnis: Nur 20 % der Befragten erklären, mit der von der EU beabsichtigten Aufhebung des Verschnittverbots bei Rosé einverstanden zu sein, 80 % waren dagegen.

Nun wäre das, wenn es die allgemeine Stimmungslage unter Europas Bevölkerungen widerspiegelte, ein demokratisch einwandfreies Resultat, und die EU trug dem auch relativ anstandslos Rechnung und ließ ihre Pläne ohne allzu großen Widerstand in der Schublade verschwinden, auch wenn das wahrscheinlich weniger der allgemeinen Stimmungslage in Europa als dem massiven Widerstand insbesondere südfranzösischer Roséerzeuger geschuldet war. Bleibt die Frage, wie stichhaltig die Argumente für oder wider die Aufhebung des Verschnittverbots wirklich waren! Den Rest des Beitrags lesen »


Griechenland, die unentdeckte Schöne – ein Marketingdesaster?

25. Juni 2009

 

Von Eckhard Supp – Auf Initiative von Mario Scheuermann fand heute nachmittag ein interessantes Treffen im Hamburger Restaurant Tschebull statt, bei dem es um griechische Weine ging. Eingeladen waren Markus Stolz, ein in Athen lebender Deutscher, der als Agent für griechische Weine mit Spezialisierung auf jungen, dynamischen Weingütern fungiert, und Christos Kokkalis, ein Winzer vom westlichen Peloponnes mit zweiter Heimat im linksrheinischen Mönchengladbach.

Eigentlich ist es ein Wunder, dass überhaupt einmal jemand ohne Unterstützung des offiziellen griechischen Weinmarketings einer solchen Einladung gefolgt ist. Christos Kokkalis meinte denn auch, man solle sich keine allzu großen Hoffnungen machen, andere Erzeuger zu solchen Präsentationen nach Deutschland holen zu können. Da sei ja nicht nur das Hindernis der Sprache – selbst auf griechischen Weinen, die nach Deutschland importiert werden, herrscht ein hoffnungsloses Durcheinander griechischer, französischer oder englischer Bezeichnungen, die nicht einmal Weinfachleute verstehen, von Endverbrauchern ganz zu schweigen. Es sei auch eine generelle Unbeweglichkeit, Bequemlichkeit, ein enormes Desinteresse, sich aktiv im Auslandsmarketing einzubringen, zu konstatieren. Den Rest des Beitrags lesen »


Krise der Weinmedien – Gault-Millau Deutschland muss „betteln“

16. Juni 2009

 

Von Eckhard Supp – Jetzt hat der Krisenvirus in der Weinbranche offenbar auch Publikationen erwischt, von denen man bisher hoffen konnte, sie seien weitestgehend immun. Mit Schreiben vom 8. Juni d. J. hat der Christian Verlag die deutschen Weinerzeuger darüber informiert, dass die paradiesische Zeit des „Alles umsonst“ bei seinem Weinführer Gault-Millau Deutschland vorbei sei. Auch in Zukunft will man zwar – im Unterschied zu vielen anderen Publikationen und Verlagen - keine Gebühren für die Anstellung von Weinen zu den Verkostungen verlangen, lässt sich aber die kommerzielle Nutzung von Bewertungen, Logos, Markennamen und Texten durch die Erzeuger mit einem jährlichen Pauschalbetrag vergüten.

Der Schritt hat in der deutschen Winzerschaft einige Aufregung verursacht, und sogar wir, die wir mit dem Gault-Millau gar nichts zu tun haben, erhielten erboste Mails mit Hinweisen auf diesen „Skandal“, diese „Bettelei“, wie es explizit genannt wurde. Gelegentlich waren die Mails sogar anonymisiert, da man aus “Angst vor einem Abstieg (den) echten Namen nicht nennen“ mochte. Werner Elflein geht hier… ebenfalls darauf ein.  Den Rest des Beitrags lesen »


Götterdämmerung für Weingurus – Gehört die Zukunft den singenden Weinhändlern?

8. Juni 2009

 

Von Eckhard Supp – Dass Robert Parker, der amerikanische Weinguru mit ausgeprägter Vorliebe für Weine aus Bordeaux, aus Kalifornien und von der Rhône, in der Vergangenheit unumstritten gewesen wäre, würde wohl niemand zu behaupten wagen. Kritiker hatte der berümteste Weinkritiker der Welt zu allen Zeiten, aber oft vermischte sich die Kritik mit viel Neid, und das machte sie immer auch ein Stück weit unglaubwürdig, vergrößerte eher noch den Ruhm des Kritisierten.

Jetzt aber hat sich Robert Parker gleich zwei Mal derart in die Nesseln gesetzt, dass man berechtigte Zweifel daran haben darf, ob er noch in dieser Welt zu Hause ist und noch einen Rest Realitätsbezug besitzt. Er ist dabei, sich selbst zu demontieren, und das viel gründlicher, als es seine Kritiker je konnten. Götterdämmerung für den Guru, also? Nun, es könnte sogar noch schlimmer sein, und manch ein Beobachter der Weinszene spricht bereit von einer Götterdämmerung für die Weinkritik, den Weinjournalismus schlechthin. Den Rest des Beitrags lesen »


Luft für DWI wird dünn – Neues Grundsatzurteil gegen Zwangsabgaben

7. Juni 2009

 

Von Eckhard Supp – Nach den Zwangsabgaben zur Finanzierung von Marketing-Fonds in der Landwirtschaft (wir berichteten …) war letzten Freitag die Reihe an den Zwangsabgaben in der Holzwirtschaft. Mit fast identischer Begründung wie beim CMA-Urteil vom Februar dieses Jahres erklärten die Richter am Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe auch die Finanzierung des Holzabsatzfonds (HAF) durch Zwangsabgaben für verfassungswidrig. Pikantes Detail: Vorsitzender des Verwaltungsrats des Holzabsatzfonds ist Michael Prinz zu Salm-Salm, Ex-Präsident der Winzervereinigung VDP, die von einem drohenden Urteil über die Zwangsabgaben der Weinwirtschaft natürlich indirekt ebenfalls betroffen wäre.

Zwar will man, so Prinz Salm in einer Stellungnahme, über eine Ersatzorganisation für den HAF diskutieren, aber viel Hoffung, einen solchen Fonds auf freiwilliger Basis finanzieren zu können, hat man offenbar nicht: Immerhin wird, so Prinz Salm, heftig über „sozialverträgliche Lösungen“ für die Mitarbeiter nachgedacht. Solcher „sozialverträglicher Lösungen“ bedürfte es wohl nicht, hätte man eine Weiter(Neu)beschäftigung der Mitarbeiter fest im Visier.

Ob sich das Deutsche Weininstitut, das sich praktisch vollständig über diese Zwangsabgaben finanziert, nach dieser wiederholten Ohrfeige für diese Art von Zwangsabgaben immer noch so großspurig und siegesgewiss gibt wie nach dem CMA-Urteil, bleibt abzuwarten. Fakt ist, dass die Winzer, die bereits Widerspruchsverfahren eingeleitet haben, wie etwa das Weingut von Racknitz und andere, ihre Verfahren weiterlaufen lassen wollen, wie ENO WorldWine heute erfuhr - wohl auch bis zu einer eventuellen erneuten Entscheidung durch das Verfassungsgericht. 

Ob Weinfonds/DWI allerdings gut beraten sind, es angesichts dieser eindeutigen und wiederholten Gesetzesinterpretation durch das höchste deutsche Gericht auf einen Prozess „bis zum bitteren Ende“ ankommen zu lassen, wage ich zu bezweifeln. Immerhin kosten solche Prozesse erhebliche Gelder, und die Mitglieder könnten sich nach verlorenem Prozess fragen, ob sie nicht ein Anrecht auf Schadenersatz für ihre derart verschleuderten Zwangsbeiträge haben. Aber um das zu beurteilen, müsste man Jurist sein, und das bin ich zum Glück nicht.

Nachtrag: Überschrift korrigiert – So geht’s, wenn man die eigenen Floskeln nicht noch mal kritisch liest!


Wieviel darf eine Flasche Wein kosten?

3. Juni 2009

 

Von Eckhard Supp – In regelmäßigen Abständen taucht diese Frage in Internetforen und Netzwerken auf, so jüngst wieder auf Xing. Ziemlich kompliziertes Thema! Und noch dazu meist ziemlich emotionsbeladen! Darüber haben sich schon ganze Diskussionsforen auf Dauer verkracht.

Prinzipiell gilt: Einen wirklich guten, komplexen, facettenreichen, alterungsfähigen Wein zu machen, ist teuer. Sehr teuer! Und das schlägt sich auch im Preis der Flasche nieder. Ich habe die Frage, bis in welche Höhe der Weinpreis tatsächlich durch höhere Kosten hervorgerufen sein kann, schon öfter mit Weinmachern diskutiert, die meist von einer Obergrenze zwischen 50 und 150 EUR ausgehen.

Aber auch was darüber ist, ist nicht nur dem „Namen“ oder dem „Etikett“ geschuldet, sondern einem Mix von Faktoren, zu denen die besonderen geschmacklichen Qualitäten des Weins, sein Prestige, seine Herstellungskosten und, vor allem, der Knappheit des Weins auf dem Markt gehören. Den Rest des Beitrags lesen »


Die Weinwelt trauert um Hans Reinisch – Österreichischer Spitzenwinzer tödlich verunglückt

29. Mai 2009

 

Von Eckhard Supp – Soeben lese ich in einer Eilmeldung des Fallstaff-Chefredakteurs, dass Hans Reinisch, einer der Stars der österreichischen Thermenregion, gestern bei der Weinbergsarbeit tödlich verunglückt ist. Reinisch war nicht nur einer der Trendsetter und Spitzenwinzer in seiner Region – Aufsehen erregte sein vor einigen Jahren neu gebautes Weingut mit Restaurant, Souvenirshop etc. ganz nach kalifornischem Vorbild -, sondern auch eine der sympathischsten Figuren des österreichischen Spitzenweinbaus. Anders als so mancher Groß- und Vielsprecher mit überbordendem Marketingprofil trat Hans Reinisch immer ruhig und bescheiden auf und ließ lieber seine Weine für sich sprechen. Seiner Familie drücken wir unser tief empfundenes Beileid aus.