Toskana-Vertikale in München – „Sangiovese in purezza“

14. Dezember 2008

 

Von Astrid Schwarz – Am 4. Dezember habe ich eine meiner schönsten Weinproben erleben dürfen. Eberhard Spangenberg hatte anlässlich des 25jährigen Bestehens seiner Weinhandlung „Garibaldi“ zu einer Vertikalverkostung nach München geladen. Degustiert wurden zwei toskanische Rotweine, die unterschiedlicher nicht sein konnten: Chianti Rufina Selvapiana und der Fontalloro von Fattoria di Felsina, beide reinsortige Sangiovese-Weine, „Sangiovese in purezza“.

Durch die Probe führte uns Franco Bernabei, seit vielen Jahren als Önologe auf beiden Weingütern tätig. Ich kenne Franco seit Mitte der 80iger Jahre, aus meiner Zeit in Montalcino. Ich habe viel von ihm gelernt und er ist mir als Perfektionist und Tüftler in Erinnerung geblieben.

So hatte er auch an diesem Abend alle genauen Daten der Weine, den Klimaverlauf der Jahrgänge und graphische Darstellungen der Geschmackskomponenten dabei. Normalerweise mache ich mir nicht viel aus Analysedaten, aber diesmal war es faszinierend die „trockenen“ Daten der zwölf Weine zu vergleichen. Den Rest des Beitrags lesen »


Chianti was? – Unentdecktes Chianti Rufina

8. Dezember 2008

 

Von Christian Wenger – Die Weine der DOCG Chianti Rufina, der siebten Chianti-Zone, stehen im Vergleich mit Chianti Classico, Brunello oder Vino Nobile immer etwas abseits. Bei der alljälichen grossen Anteprima im Februar sind sie nicht dabei – wobei die Rufina-Winzer die Schuld daran den „Großen Drei“ der Toskana in die Schuhe schieben, die sie nicht dabei haben wollten – und genauso haben viele Weinfreunde diese Weine nicht auf dem Zettel, wenn es um Gewächse aus der Toskana geht.

Dabei liegt das Rufina-Gebiet so dicht an der östlichen Flanke von Florenz, dass es bequem von der Stadt aus zu erkunden ist. 23 Produzenten gehören zum Konsortium, das dieses Jahr die neuen Weine aus 2007 und die Riservas von 2006 vorstellte. Überzeugend dabei vor allem Nippozzano und Montesodi von Frescobaldi, Castello del Trebbio, Fattoria di Basciano, Fattoria Lavacchio mit Cedro, Selvapiana und Marchesi Gondi.

Am Vorabend der Verkostungen stellten die Produzenten in der feinen Villa La Massa (Schwesterhaus, genauso fein, ist die Villa d’Este in Carnobbio am Comer See) alte Rufina-Jahrgänge vor. Fazit der beeindruckenden Probe: In guten Jahrgängen kann auch Chianti Rufina, der gut 20 Jahre auf dem Buckel hat, locker mit den „Großen Drei“ mithalten. Die Stars der Degustation waren der Selvapiana 1985, ein reinsortiger Sangiovese von erstaunlicher Frische, süßen, weichen Tanninen und Aromen von Minze, Tabak, Nelken und Teer, sowie Villa Bossi 1990 (Marchesi Gondi) mit betörendem Duft nach schwarzem Trffel und Süßholz. Beides alles andere als Mauerblümchen!


Stern vs. Rodenstock – Wer ist hier der Fälscher?

15. November 2008

 

Von Eckhard Supp - „Der Stern gegen die Fälscher, 1.073ste Episode“, so hätte mein Editorial, das ich gerade veröffentlicht habe, auch überschrieben sein können. Denn seit der Stern selbst einmal dem größten Fälscher der deutschen Nachkriegsgeschichte (Konrad Kujau und seine Hitler-Tagebücher) auf den Leim ging, scheint man in der Redaktion hinter allem und jedem einen Fälscher vermuten zu müssen.

Nachdem Mario Scheuermann auf seinem Blog in den letzten beiden Tagen mit recht minutiöser Recherche die falschen Tatsachenbehauptungen des Artikels von Bert Gamerschlag zu den angeblichen Wein- oder Etikettenfälschungen von Hardy Rodenstock auseinandergenommen hat und auch Dirk Würtz den Weinhändler gegen eine Reihe von Beschuldigungen in Schutz nimmt, lag es mir am Herzen, einmal die unsägliche Diffamierungs-Methodik der beiden bisherigen Artikel von Gamerschlag unter die Lupe zu nehmen. Den Rest des Beitrags lesen »