Götterdämmerung für Weingurus – Gehört die Zukunft den singenden Weinhändlern?

8. Juni 2009

 

Von Eckhard Supp – Dass Robert Parker, der amerikanische Weinguru mit ausgeprägter Vorliebe für Weine aus Bordeaux, aus Kalifornien und von der Rhône, in der Vergangenheit unumstritten gewesen wäre, würde wohl niemand zu behaupten wagen. Kritiker hatte der berümteste Weinkritiker der Welt zu allen Zeiten, aber oft vermischte sich die Kritik mit viel Neid, und das machte sie immer auch ein Stück weit unglaubwürdig, vergrößerte eher noch den Ruhm des Kritisierten.

Jetzt aber hat sich Robert Parker gleich zwei Mal derart in die Nesseln gesetzt, dass man berechtigte Zweifel daran haben darf, ob er noch in dieser Welt zu Hause ist und noch einen Rest Realitätsbezug besitzt. Er ist dabei, sich selbst zu demontieren, und das viel gründlicher, als es seine Kritiker je konnten. Götterdämmerung für den Guru, also? Nun, es könnte sogar noch schlimmer sein, und manch ein Beobachter der Weinszene spricht bereit von einer Götterdämmerung für die Weinkritik, den Weinjournalismus schlechthin. Den Rest des Beitrags lesen »


Genusspresse auf dem Totenbett – Was lesen deutsche Weinfreunde?

22. April 2009

 

Von Eckhard Supp – Während die Medien- und Marketingbeobachter von Horizont.net gerade unter der Überschrift „IVW meldet Erholung auf dem Printmarkt“ notieren, dass sich die Verkaufszahlen von Tages- und Wochenzeitungen wie auch von Publikumszeitschriften im ersten Quartal des laufenden Jahres wieder erholt hätten, berichtete Kollege Mario Scheuermann (drinktank) bereits heute morgen auf Basis derselben IVW-Zahlen für das Weinsegment wenig Erfreuliches: Praktisch alle Weintitel verzeichnen gegenüber dem Vorquartal einen deutlichen Verlust, und dieser wird auch dann sichtbar, wenn man um der besseren Vergleichbarkeit willen nicht das 4., sondern das 1. Quartal des Vorjahres zugrunde legt.

Noch dramatischer stellt sich die Entwicklung dar, betrachtet man sie längerfristig, und zwar auf der Vergleichsbasis der im Abonnement + Einzelverkauf – der „harten“ Währung des Zeitungs- bzw. Zeitschriftengeschäfts – verkauften Höchstauflagen des 1. Quartals (in der Zeit seit 2000). Der Blick auf diese Langfriststatistik zeigt auch, dass die Entwicklung nicht nur die Weintitel trifft, sondern auch einige Food- und Lifestyletitel, vor allem solche aus dem Hamburger Verlag Gruner & Jahr. Den Rest des Beitrags lesen »


Ein Blogger ist ein Blogger ist ein Blogger … – Weinblogs und Journalismus

16. März 2009

 

Von Eckhard Supp – Vor einigen Tagen bin ich via Twitter auf einen Blogbeitrag von Gabriella Opaz, Mitglied des brititschen „Circle of Wine Writers“, einer nationalen Weinschreibervereinigung, gestoßen, die sich mit der Haltung der britischen Kollegen zum Bloggen auseinandersetzt. Sie zitiert darin Julie Arkell, die Präsidentin dieser Vereinigung, mit den Worten: „Full-time wine communication is certainly not a requirement of membership – we look for quality rather than quantity. Having said this, we do not accept applications from wine bloggers if this is all they write, however well they do it,“ auf deutsch: „Man muss nicht hauptberuflich in der Weinkommunikation tätig werden, um Mitglied (im CWW, d. Red.) zu werden – wir sind mehr an Qualität als an Quantität interessiert. Allerdings akzeptieren wir keine Weinblogger, die ausschließlich bloggen, als Mitglieder, wie gut sie das auch immer machen mögen!“

Gabriella Opaz, die paradoxerweise CWW-Mitglied ist, obwohl sie ausschließlich bloggt, hat diese Äußerung zum Anlass genommen, sich bitterlich über die Arroganz der Kollegen, die für britische Printmedien schreiben, zu beklagen. Recht hat sie, eine solche Haltung ist tatsächlich ungeheuerlich, einmal abgesehen davon, dass sie auch schlicht saudumm ist. In Deutschland, das sei an dieser Stelle noch einmal erinnert, sind fast alle „Printer“ (Schreiber für Printmedien), die sich so gebärdeten, an ihrer Arroganz inzwischen wohl schon erstickt, denn ihre Medien (Wein Gourmet, Alles über Wein, vielleicht bald Vinum) gibt es nicht mehr. Den Rest des Beitrags lesen »


Aufrecht in den Untergang – Wein-Gourmet am Ende!

12. Februar 2009

 

Von Eckhard Supp – Nach der Meldung über einen möglichen Verkauf von Vinum erreicht uns jetzt die nächste Hiobsbotschaft aus dem Reich der Printmedien: Der Feinschmecker Wein-Gourmet, die vierteljährlich erscheinende „Schwester“ der Zeitschrift Feinschmecker, wird – nur neun Jahre nach seiner Gründung – eingestellt. Das meldete heute um 12:58 der Branchendienst Meedia unter Berufung auf Informationen aus dem Verlag.

Als aktuellen Grund führt Meedia vor allem das im letzten Jahr stark rückläufige Anzeigengeschäft an, das die Zeitschrift wohl in den letzten Jahren noch über Wasser gehalten hat. Tatsache ist, dass die „harte“ verkaufte Auflage (Abonnement und Einzelverkauf, ohne Berücksichtigung der Sonderverkäufe, Bordexemplare, Freistücke etc.) schon seit Jahren schwächelte. Nach einem ersten Höhenflug in den  Jahren 2002 und 2003 (im ersten Quartal der beiden Jahre lag sie über 30.000 Exemplare) sank sie schon 2005 auf nur noch 16.350 Exemplare, „berappelte“ sich aber zwischenzeitlich noch einmal bis auf 23.000 Hefte, um dann 2007 und 2008 die endgültige Talfahrt anzutreten, die ihre letztlich das Genick brach. 16.900 Hefte wurden im 1. Quartal 2008 noch verkauft, 16.400 im dritten. Den Rest des Beitrags lesen »


Weinmedien – Print und Online besser verzahnen!

26. Januar 2009

 

Von Heinz H. Behrens – Verehrte WorldWine Blogger! Allen Verlagsmanagern ist klar: Die Print-Auflagen (und Umsätze!) befinden sich im Sinkflug – die Online Nutzung nimmt dagegen zu. Wie aber damit umgehen? Eine neue Studie „Zeitungen Online 2008“ hat untersucht, wie die 100 auflagenstärksten deutschen Tageszeitungen in ihren Webseiten auf das neue Mediennutzungsverhalten reagieren und wie sie Print und Online verzahnen. Ein Ergebnis: 82 Prozent setzen auf Videos und immer weniger auf Chats und Foren. Mehr dazu finden Sie unter meedia.de.

Der Abo- und Leserschwund betrifft natürlich auch und gerade die sog. „Special-Specialinterest-Zeitschriften“, also geringauflagige Zielgruppenblätter, die, wie Insider gern spötteln, sich an „rechtsrheinisch radelnde Pfarrerstöchter“ richten. Ob dazu Wein-Fachzeitschriften für Endverbraucher gehören, wage ich nicht zu beurteilen. Dafür spricht, dass solche Zielgruppenblätter besonders hart gegen die Kostenlawine zu kämpfen haben (Papier, Post-Zeitungsdienst etc.) und darum immer teurer werden – vieles spricht aber auch dagegen. Etwa der Altersdurchschnitt der Leser: Weintrinker stammen bekanntermaßen nicht gerade aus sehr jungen Zielgruppen (die online-affiner sind) sondern gehören eher zu den einkommensstärkeren älteren Personengruppen. Und die haben noch keine große Abneigung gegen Papier entwickelt und müssen auch nicht unbedingt am Medienbudget sparen. Den Rest des Beitrags lesen »


Hat die Weinwelt etwas gegen Onlinemedien?

21. Januar 2009

 

Von Eckhard Supp – Wer die Diskussionen der letzten Zeit um den Niedergang der Print- und den rasanten Aufstieg der Onlinemedien verfolgt hat, wird sich manchmal verdutzt die Augen reiben. Denn während inzwischen 60 % der deutschen Bevölkerung online ist, während ganze Altersgruppen ihre Informationen überwiegend im Internet suchen, während selbst in der jüngsten Wahlberichterstattung der großen TV-Kanäle Blogger und Twitterer hofiert wurden, halten die Winzer und die Weinhändler in nicht mehr verständlicher Treue an den Printmedien fest, alimentieren sie mit ihren Werbeausgaben und kümmern sich offenbar einen feuchten Kehricht darum, dass sie nicht mehr gelesen werden.

Eine schlüssige Erklärung für dieses Phänomen habe ich bisher noch nicht gefunden. Denn inzwischen haben fast alle Winzer und Händler ihre EDV-Anlage, surfen im Internet, füllen sogar schon Formulare im Internet aus und nutzen ganz selbstverständlich E-Mail und SMS. Den Rest des Beitrags lesen »